Eine Reise mitten in mein Herz!

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Wilbur Budd ist Anfang 80 und gerade hat seine große Liebe nach so vielen Jahren bei ihm angerufen. Doch er wird nicht herausfinden, ob sie sich wieder annähern können, denn Wilbur landet unversehens in einem ganz besonderen Zug. Darin wartet Agnes Bagdale auf ihn. Jene Frau, die eine Buchhandlung hatte, als er ein Kind war. Mit dem Zug reist er durch sein bisheriges Leben und Wilbur merkt schnell, dass er vieles gerne anders, besser gemacht hätte.

Matt Haig hat eine unbeschreiblich intensive Art, über Dinge zu schreiben, die bewegen. Statt dass, wie man so oft sagt, das Leben vor Wilburs innerem Auge noch mal vorbeizieht, erlebt er alles in einem Zug, kann nicht selbst bestimmen, welche Situationen er näher betrachten kann, darf oder muss. Natürlich sind es deshalb nicht nur die schönen Momente, sogar auch genug jener, die er gern ganz vergessen oder nie erlebt hätte.

Man mag glauben, dass die Story deshalb düster und depressiv ist, doch das Gegenteil ist der Fall. Selbst in den ergreifendsten Momenten gibt es immer einen Trost, immer ein Licht, immer auch etwas zu Lachen. Es ist eine unglaublich zärtliche Geschichte, die eine noch unglaublichere Sogwirkung hat. Dazu kommt, dass die Aufmachung des Buches enorm liebevoll ist. Es gibt tatsächlich Elemente, die im Dunkeln leuchten! Auch das auf dem Vorsatzblatt aufgedruckte Ticket hat seine eigene Wirkung. Allerdings verwirrt es mich auch ein wenig, das das Datum keinen Bezug zur Story hat und zudem kein Sonntag, wie aufgedruckt, ist.

Ein besonderes Element sind die vielen Bücher, auf die sich Matt Haig seine Figuren beziehen lässt. Das ist eine der Verbindungen zur Mitternachtsbibliothek. Doch keine Angst, es ist ein komplett anderes Buch, wenn auch hier der Tod und was danach kommt ebenfalls eine Rolle spielt.

Die Reise mit Wilbur durch die Stationen seines Lebens ist bewegend, auch mal lustig, hin und wieder traurig, und vor allem sehr aufschlussreich. Wie er erkennt man, wo und warum er falsch gehandelt hat. Automatisch wünscht man sich für ihn und Maggie ein Wunder.

Das Buch ist unfassbar tröstlich und bewegt zum Nachdenken über das eigene Leben und Handeln. Es ist nie zu spät, den Weg zu korrigieren. Ich lege dieses Buch jedem ans Herz und gebe die vollen fünf Sterne. Und Christoph Maria Herbst, den ich als Schauspieler so gar nicht mag, als Sprecher aber liebe, bekommt ein ganz dickes Lob und ein großes Danke von mir! Übrigens leuchtet die Schrift auf dem Buch-Cover im Dunkeln. Das sieht wunderschön aus!