Wenn die eigene Vergangenheit Neuland ist

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la calavera catrina Avatar

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Matt Haig verleiht in «Die Mitternachtsreise» einem bekannten Konzept ein neues Gewand: Ein Mann, der nach seinen Tod reuevoll auf sein Streben nach Reichtum zurückschaut. Nicht Arbeit allein, sondern ein Leben im Einklang mit Menschlichkeit und Verbundenheit macht glücklich. Wie bei Dickens’ Scrooge, der auch erwähnt wird, zeigt Haig, dass reiner Fleiß und materieller Erfolg ohne Mitgefühl und Gemeinschaft in Einsamkeit und Unzufriedenheit enden.

Der Mitternachtszug bietet dem Geist von Wilbur nach seinem Tod die Gelegenheit, sein Leben im Rückblick zu beurteilen und diese wertvollen Einsichten zu gewinnen. Doch ist es dafür nicht zu spät?

«Es ist wie in dem Zitat von Kierkegaard: ›Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden‹.»

Es bricht einem das Herz, diese vielen Momenten beizuwohnen und mitzuerleben, wie blind Wilbur für sein Glück war, wie er sich verändert und alles verliert, was ihm wichtig war – vor allem die Liebe seines Lebens. Dabei geht es um existenzielle Fragen über das Glück mit zahlreichen Denkanstößen:

«Und doch fragte sich jetzt der Geist: Weiß denn irgendein junger Mensch die Zeit, in der er lebt, wirklich zu schätzen? Wandelte sich die Speisestärke der Alltagswirklichkeit nicht stets erst durch die Erinnerung in Zucker um? Bedeutete nicht genau dies Nostalgie?»

Vorhersehbar mit offensichtlicher Botschaft, aber gewohnt flüssig, sehr emotional aufgebaut und natürlich mit einem wohlwollenden Ende. Routiniert leicht zu lesen und gut geeignet für alle, die bei leichter Unterhaltung nicht völlig auf den Anspruch verzichten wollen, es aber unmissverständlich mögen.