Wie blickst du am Ende auf dein Leben?

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katharina_von_riegan Avatar

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Genau diese Frage muss Willbur Budd sich selbst in dem Buch „Die Mitternachtsreise“ von Matt Haig beantworten, als er im Alter von 81 Jahren stirbt und daraufhin unvermittelt an einem Bahnhof steht, um seine letzte Reise anzutreten.

Und diese hat es in sich. Denn das Leben ist voller Höhen und Tiefen. So auch das von Willbur, der erfolgreicher Geschäftsmann war und die Liebe seines Lebens treffen konnte. An den verschiedenen Stationen seines Lebens steigt er aus und wir erfahren als Leser, wie Willbur rückblickend auf diese Situationen schaut.

Seine Sichtweise ist das, was das Buch spannend macht. Willbur ist ein sehr vielschichtiger Charakter, auf den man sich jedoch auch erst einlassen muss. So entfaltet sich seine Geschichte erst über viele Seiten hinweg und wird immer sympathischer. Aber auch die Beziehungen zu seiner Familie und Maggie – der Liebe seines Lebens – werden sehr detailiert gezeichnet.

Dazu gehört aber auch, dass das Buch an einigen Stellen durch die vielen Details ermüdend sein kann und gerade auch sein nachträgliches Bedauern mancher Entscheidungen den Anschein von Selbstmitleid haben.

Dann nahm das Buch jedoch ab der Mitte eine neue Wendung und die Geschichte zog nochmal an. Gerade diese hat mir sehr gut gefallen und das Ende hat mich zu Tränen gerührt.

Klar, ist die Geschichte stellenweise auch vorhersehbar, was dem Buch aber keinen Abriss tut.

Matt Haig hat hier wie auch schon bei der Mitternachtsbibliothek einen außergewöhnlichen Roman geschaffen, der zum Nachdenken anregt und die Perspektive auf die Welt, so wie sie ist, verändern kann. Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und Fans, aber auch Leser, die Haig noch nicht kennen, können eine runde Geschichte erwarten.