Nachts sind alle Gefühle grau

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danielritter Avatar

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Im Erdgeschoss angekommen, zog sie ihre Schuhe aus, stellte sie zu einem naheliegenden Fenster und beobachtete eine Katze, deren Augen in den engen Gassen zu leuchten begannen, weil das flackernde Licht der Straßenlaterne auf sie fiel.
Ich habe den nächsten Satz geschrieben, weil das magische Stück der Nacht so abrupt endete und es mir ein Gefühl gab, diesen Text weiterlesen zu wollen. Ein wenig Medizin in der Stille der Nacht. Was mich mit dieser Geschichte verbindet, ist eindeutig: Bei meinen nächtlichen Erkundungen durch die Innenstadt – eine kleine Stadt – bin ich meistens allein unterwegs. Ich trage nachts die Zeitungen aus, und alles, was ich hier und da bemerke, ist ein kleiner Lieferwagen, der die Medikamente für die Apotheken liefert. Darüber hinaus erblicke ich nicht selten Katzen, die mich mit ihren leuchtenden Augen aus einem der Fenster anstarren und sogar vor mir und dem Wagen, in dem die Zeitungen noch schlafen, fliehen. Ich werfe die Worte in den Briefkasten, und so ist es auch mit diesem Roman: Hier entfaltet sich der Zauber der Nacht, eine Botschaft, die man nicht entschlüsseln muss – sie ist einfach da.
Mit einem Mal sieht man diese Zerbrechlichkeit: dass alles an diesem einen Licht der Nachtapotheke hängt. Ein Zufluchtsort für die einen, ein Ort der immer wiederkehrenden Fragen, weil niemand so recht weiß, wer Boho in Wirklichkeit ist. Hier prallen zwei Leben aufeinander. Wer weiß schon, ob der Junge nicht etwa mit der Apothekerin verwandt ist? Es wäre eine schöne Idee.
Vielleicht ist das Buch aber auch nur ein Anreiz für jene, die sich verloren fühlen: durch den Ort der Nachtapotheke zu erkennen, dass immer jemand da ist, ganz gleich, wie viel Dunkelheit um einen herum ist. Es ist da, was da ist. Irgendwann wird die Dunkelheit aus sein und kann nicht mehr nachgeliefert werden – fast wie ein Medikament.
Für mich kommt das Buch, der Text, genau zur richtigen Zeit: stimmungsvoll, geheimnisvoll und mit einem Hauch von Magie – genau das wünsche ich mir von einer Geschichte.