Schlaflos in Seoul zwischen Katermitteln und stiller Menschlichkeit
Das Buch hat eine wunderbar unaufgeregte, fast melancholische Nachtstimmung, die mich direkt abgeholt hat. Statt des üblichen zuckrigen K-Drama-Kitsches setzt die Geschichte auf ein herrlich pragmatisches, leicht staubiges Setting mitten in Seoul: Eine Apotheke, die erst bei Sonnenuntergang öffnet, in der der Rechner nur nach zwei beherzten Schlägen auf das Gehäuse anspringt und wo die Kundschaft aus gestrandeten Seelen, Überstunden-Opfern, Barfrauen und erschöpften Nachtgestalten besteht.
Die Protagonistin Choi Boho gefällt mir ausnehmend gut. Sie ist keine überkandidelte Heilsbringerin, sondern eine nüchterne, leicht mürrische Frau mit scharfem Blick, die unmissverständlich klarstellt, dass sie hier Medizin verkauft, ihr Geld verdienen muss und für Sentimentalitäten eigentlich keine Zeit hat. Wie sie die randalierenden Jugendlichen, die den geflohenen Da-in jagen, mit eiskalter Ruhe abwimmelt und dem Anführer dabei ganz nebenbei zwei teure Katermittel andreht, hat einen trockenen, wunderbaren Witz. Dass sie Da-in hinter der Theke Schutz gewährt, ihm zur Wintersonnenwende eine traditionelle rote Bohnenpaste zusteckt, ihm diese aber kurz darauf eiskalt vom gestohlenen Geld aus dem Rucksack abbucht, trifft genau meinen Nerv: echte Fürsorge, aber verpackt in eine herrlich raue Schale ohne falsches Mitleid.
Der Kontrast zwischen Da-ins bitterer Familiengeschichte, der Tratschbank der älteren Nachbarn vor dem kleinen Supermarkt gegenüber und dieser stillen, leuchtenden Oase in der Dunkelheit liest sich ungemein feinfühlig und atmosphärisch dicht. Eine herrlich bodenständige Geschichte mit viel Gespür für die leisen Zwischentöne des Lebens, die ich sehr gerne ganz lesen möchte
Die Protagonistin Choi Boho gefällt mir ausnehmend gut. Sie ist keine überkandidelte Heilsbringerin, sondern eine nüchterne, leicht mürrische Frau mit scharfem Blick, die unmissverständlich klarstellt, dass sie hier Medizin verkauft, ihr Geld verdienen muss und für Sentimentalitäten eigentlich keine Zeit hat. Wie sie die randalierenden Jugendlichen, die den geflohenen Da-in jagen, mit eiskalter Ruhe abwimmelt und dem Anführer dabei ganz nebenbei zwei teure Katermittel andreht, hat einen trockenen, wunderbaren Witz. Dass sie Da-in hinter der Theke Schutz gewährt, ihm zur Wintersonnenwende eine traditionelle rote Bohnenpaste zusteckt, ihm diese aber kurz darauf eiskalt vom gestohlenen Geld aus dem Rucksack abbucht, trifft genau meinen Nerv: echte Fürsorge, aber verpackt in eine herrlich raue Schale ohne falsches Mitleid.
Der Kontrast zwischen Da-ins bitterer Familiengeschichte, der Tratschbank der älteren Nachbarn vor dem kleinen Supermarkt gegenüber und dieser stillen, leuchtenden Oase in der Dunkelheit liest sich ungemein feinfühlig und atmosphärisch dicht. Eine herrlich bodenständige Geschichte mit viel Gespür für die leisen Zwischentöne des Lebens, die ich sehr gerne ganz lesen möchte