Der alltägliche Kampf um Besserung

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cazymonkey Avatar

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Dieser Roman ist eigentlich eine Sammlung aus vielen Schicksalen unterschiedlicher Menschen, die in der Nachtapotheke zusammenstoßen.

Im Mittelpunkt steht die abgebrüht erscheinende Apothekerin Boho, die unaufgeregt, aber leidenschaftlich ihrer Aufgabe nachgeht und ihren Kunden nicht einfach nur Medikamente verkauft, sondern Zuwendung, Freundlichkeit, Gelassenheit und Ruhe entgegenbringt.
Das Licht der Nachtapotheke steht metaphorisch und wahrhaftig für die Helligkeit und Hilfe, die die zahlreichen Charaktere des Buchs suchen und schließlich durch Bohos Zuwendung finden.

"Denn Licht strahlt nun einmal umso intensiver, je dunkler die Umgebung ist."

Jede Person, die nachts durch die Türen kommt, trägt ihre eigene Dunkelheit in sich. Da wäre Hwangyeong mit dem Gefühl seiner Überflüssigkeit in der Welt, Mingyeong, die obwohl sie tat, was sie liebte, nicht glücklich war, Huiyeong, der nachgesagt wurde, sie wäre attraktiv, aber einfach nicht charismatisch und einige andere, die den ihnen am einfachsten erscheinenden Weg wählen: Medikamente.

Dazwischen steht jedoch Boho, die sich aufgrund ihrer eigenen Geschichte selbst jeden Tag mit dem Öffnen und Dasein für das Viertel in Seoul einen Grund zum Weiterleben schafft und dies ebenso bei den vom Leben gebeutelten Menschen versucht. Sie gibt ihnen einfach Zeit, verschreibt ihnen Schlaf als bestes Heilmittel oder empfiehlt ihnen die Ursache des Schmerzes zu ergründen und mit manche Wunden, die keine Heilung finden, muss man lernen, weiterzuleben.

»Manche Probleme versuche ich gar nicht zu lösen. Ich lebe einfach mit ihnen.«

»War das nicht auch wie ein Pflaster, das den Schmerz kurz lindert, ohne seine Ursache anzugehen?«

»Es blieben immer Narben, Zeugen eines vergangenen Schmerzes.«

Eingebettet sind diese zahlreichen Weisheit in einen übergeordneten Handlungsstrang, der alle Protagonisten zusammenführt und für eine angespannte Atmosphäre sorgt, die nach Auflösung sucht.
Die Erzählweise sowie die Namen sind zu Beginn gewöhnungsbedürftig, da sie sich für mich doch von meinen sonstigen Büchergeschmack unterschieden. Trotzdem oder gerade deshalb konnte ich in die Schicksale sehr mühelos Abtauchen.

»Während die einen nachts den Schlaf suchten, versuchten andere verzweifelt, ihm zu entkommen.«

Es gab vorallem zahlreiche poetisch anmutende Passagen, die ich mir markiert habe, weil sie nicht nur für die Geschichte passend sind.

»Boho hielt sich für einen erstaunlich glücklichen Menschen. Früher hatte sie sich wie jemand gefühlt, der das Unglück magisch anzog, doch sie war froh, dass es immer wieder Menschen in ihrem Leben gab, die sie an ihr Glück glauben ließen.«

Fazit: Im Nachwort weist die Autorin Ko Hyewon explizit auch daraufhin, dass sie einen Roman schaffen wollte, der unserer rasenden Zeit Einhalt gebieten, Ruhe schenkt und dies ist ihr zumindest für einige Stunden gelungen!