Überraschend. Wichtig.

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aerdna Avatar

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Wow. Die Leseprobe zu Die Namen hat mich überrascht. Kurzzeitig entsetzt, sprachlos gemacht.

Nicht, weil das Thema neu für mich wäre, sondern weil die Beschreibung des Buches ihm nicht gerecht wird (!).

„Die Geschichte einer Familie und ihrer Liebe zueinander - egal, was das Schicksal bereit hält“?!
Es geht hier um brutale Gewalt in einer Ehe und Elternschaft, um physischen, emotionalen, verbalen Missbrauch; um Terror im eigenen Zuhause. Um Lebensbedrohung.
Das hat nichts romantisierendes und auch nichts schicksalhaftes. Es geht um Entscheidungen, Bewusstsein, aktives Handeln.

Es ist ein außerordentlich gut geschriebenes Buch, das die Facetten der Persönlichkeiten von Tätern und Opfern ausnehmend stark und feinfühlig erfasst. Beobachtungsstark und pointiert. Der Terror mit all seinen Konsequenzen, deren unfassbarer Reichweite, wird spürbar, es rüttelt auf, es nimmt mit, es emotionalisiert - auf hilfreiche Weise.

Aber wo heute sogar beinahe jeder Fantasy Roman, schon fast absurd anmutend, ein „Sensitivity Reading“ braucht, gibt es bei einem Buch wie diesem nicht einmal einen Disclaimer?
Das ist m.E. eine extreme Diskrepanz zwischen Beschreibung und Inhalt.

Nichtsdestotrotz: die Leseprobe zu Die Namen hat mich absolut abgeholt; es ist ein Buch, das auf jeden Fall auf die Leseliste gehört, das sensibilisieren und stark machen kann.
Ich wurde von so starken Emotionen durchflutet: Wut, Empörung, Entsetzen, Mitgefühl, Traurigkeit, Hoffnung, dem Drang, aktiv zu werden. Seit Jahrhunderten schon Thema, ist es inhaltlich auch immer noch hochaktuell und mehr denn je Zeit, mehr hinzuschauen. Frauen UND Männer stärker zu machen.

Ich werde Die Namen definitiv lesen. Aber jetzt vorbereitet, mit dem entsprechenden Bewusstsein.

Das Cover gefällt mir, wirkt ausdrucksstark und fällt auf.