Braucht dieses Buch eine Triggerwarnung? Werden wir emotional bequem?

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tinebook87 Avatar

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Vorweg, ich habe dieses Buch voller Begeisterung gelesen! Obwohl ich dies beinahe nicht getan hätte, da mich der Klappentext nicht abgeholt hat. Danke für Empfehlung, das in diesem Buch so viel mehr steckt.

Das Buch beginnt mit der Geburt von Bear, Julian & Gordon. Keine Drillinge, auch nicht zufällig am selben Tag geborene Kinder, sondern ein Mensch, der in drei parallel verlaufenden Handlungssträngen mit unterschiedlichen Namen, Entscheidungen, Situationen aufwächst & erwachsen wird. Der erwachsen wird trotz eines Vaters der nicht „nett“ ist …

Da bin ich auch schon beim Kern der Sache. Der Inhalt polarisiert. Beim Lesen bin ich gehäuft über Beiträge & Stimmen gestoßen, die finden, dass es hier eine Triggerwarnung gebraucht hätte. Für alle, die das Buch noch nicht gelesen haben, kurz ohne zu spoilern, häusliche Gewalt ist ein großes Thema in diesem Roman.

Ich musste über diese Forderung nachdenken, verstehe auch den Hintergrund. Seitdem schwirrt mir Einiges dazu im Kopf herum. Ist es vielleicht richtig nicht vor Allem zu warnen, um ein Thema, vor dem gesellschaftlich auch gerne mal die Augen verschlossen werden, weil es einen selbst nicht betrifft & man somit die Negativität, die real ist, nicht einfach wegschieben kann? Fangen wir an vor Allem warnen zu wollen & irgendwann zu müssen? Ich überspitze jetzt mal. Gehen wir in ferner Zukunft ins Museum & die Exponate sind verhangen, mit Hinweisschildern versehen, weil es gegebenenfalls Dinge zeigt, die aufwühlen könnten? Ist der Zeitgeist, dass wir entstehende Emotionen, vor dem Entstehen einen Riegel vorschieben? Wäre eine Ausweitung der Altersbeschränkung eine Alternative? Ich könnte die Gedanken ewig weiterführen, leider lässt die Zeichenbegrenzung das nicht zu …

Nicht das ich für unsensibel & empathielos gehalten werde. Ich habe leider im Bekanntenkreis auch eine Person (hoffe das es nur eine ist & war), die über Jahre ein Opfer war. Ich bin dankbar, dass in der Vergangenheitsform schreiben zu können. Hier habe ich die Erfahrung gemacht, dass eine Thematisierung sicherlich nicht einfach ist, aber schlimmer ist, das Schweigen!