Die Wahl eines Namen, oder: wie viel Widerstand kann man sich erlauben?

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merleredbird Avatar

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3.5 ⭐️

Da ich aus dem englischsprachigen Raum super viel Gutes gehört hatte (so oft war das Buch in den Jahreshighlights von Blogger*innen), war ich echt gespannt auf die Story. Es ist ein Roman, der mit der Geburt des Sohnes von Cora beginnt, und dann in 7-Jahres-Sprüngen die Geschichte dieses Kindes und der Familie erzählt. Dabei gibt es drei verschiedene Realitäten, nämlich je nachdem welchen Namen das Kind erhalten hat.

Es gibt Bear – den Namen, den die Schwester Maia sich überlegt hat, Julian – Coras Wahl, und Gordon, nach seinem Vater, da dieser Name in der Familie eine Tradition ist. Das Thema des Buches ist demnach die Rolle unseres Namens für unser Leben. Zwischen Tradition und Erwartungen, die Namen uns aufbürden, die Bedeutung unseres Namens und der Zusammenhang zu unserem Leben, die Kraft von Spitznamen und Namen, die wir uns selber geben, wenn wir uns nicht mit dem für uns ausgewählten identifizieren können, und der Prozess des Namensfinden. Sehr passend fand ich, dass deshalb am Ende des Buches eine Auflistung aller vorkommenden Charaktere war, in denen die Bedeutung ihrer Namen erwähnt wurde, und da waren so viele versteckte Details und Vorzeichen dabei! Also da hat die Autorin echt gut recherchiert.

Die Hauptunterschiede der Realitäten hängen indirekt mit dem Namen zu tun. Es geht eher darum, wie Cora sich entscheidet und wie sehr sie sich dem Willen ihres (gewalttätigen) Ehemannes beugt. Wählt sie seinen Wunsch, also Gordon, und unterwirft sich ihm? Oder wählt sie einen „seltsamen“ Namen wie Bear, zieht seinen Zorn auf sich, aber kann sich dadurch auch gegen die Misshandlung emanzipieren? Genau diese Dynamik des Familienumfeldes ändert sich je nach Version und prägt das Aufwachsen des Sohnes maßgeblich, wobei die Mutter Cora viel zentraler ist, als ich es vom Klappentext her gedacht hätte.

Am Anfang habe ich noch gedacht, es könnte ein Jahreshighlight werden, weil ich den Anfang sehr stark fand. Aber dann… entwickeln sich die Perspektiven einfach weiter so vor sich hin und meiner Meinung nach fehlt dem Ganzen noch so ein bisschen die Message, die Rahmung, der Sinn. Ehrlich gesagt habe ich auch das letzte Kapitel nicht ganz verstanden, und gehe unbefriedigt aus dem Buch heraus. Deshalb gibt es von mir 3,5 Sterne.

Der Schreibstil der Autorin ist jedoch wirklich toll. Das hier ist ihr Debüt und ich ahne: es wird nicht meine letzte Geschichte von mir sein.