Ein faszinierendes Gedankenspiel
In »Die Namen« von Florence Knapp steht eine interessante Frage im Zentrum: Welche Bedeutung hat für uns der Name, der uns ein Leben lang begleitet? Früher wählte man oft Heiligennamen in der Hoffnung auf Schutz; mancherorts wird noch heute der Namenstag gefeiert. Florence Knapp inspiriert diese Frage zu einem faszinierenden Gedankenspiel: Sie entwirft drei Versionen desselben Lebens - der einzige Unterschied in der Ausgangssituation: der Name, den die Mutter für ihren Sohn eintragen lässt. Dabei gelingt es der Autorin, logisch und nachvollziehbar darzustellen, wie diese Entscheidung Entwicklung und Selbstbild des Jungen und sogar das Schicksal der Familie prägt. Vor dem Hintergrund häuslicher Gewalt, teils schonungslos geschildert, verändert sich in jeder Version das Beziehungsgeflecht, es entstehen drei komplett verschiedene Lebenswege. Diese werden mit Zeitsprüngen von jeweils sieben Jahren parallel erzählt, wobei man durch die klare Trennung nach den drei Namen gut folgen kann. Florence Knapp schreibt emphatisch, feinfühlig und in angenehm lesbarer Sprache - ein bewegender, fesselnder Roman. Absolut lesenswert!