Ganz besonderes Buch

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pageturner91 Avatar

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Cora steht kurz nach der Geburt ihres Sohnes vor einer Entscheidung, die größer ist, als sie zunächst scheint. In der Familie ihres Mannes werden alle Söhne Gordon genannt. Eine Tradition, die sie fortführen soll. Doch Cora zögert. Ihre Tochter Maia wünscht sich den Namen Bear für ihren kleinen Bruder, Cora selbst bevorzugt Julian – in der Hoffnung, ihrem Sohn damit die Möglichkeit zu geben, eine eigenständige Persönlichkeit zu entwickeln.
Und hier wird es spannend: Die Geschichte verzweigt sich in drei Lebenswege. Wir begleiten das Kind als Gordon, als Bear und als Julian. Knapp erzählt diese drei Varianten im Abstand von jeweils sieben Jahren, beginnend 1987 bis ins Jahr 2022.

Als ich vom Konzept gehört habe, war ich skeptisch: Reichen knapp 350 Seiten wirklich aus, um drei Lebensgeschichten gerecht zu werden? Und ich muss sagen: ja. Absolut. Jeder Strang ist sorgfältig durchdacht, jede Variante fühlt sich vollständig an. Trotz unterschiedlicher Entwicklungen tauchen immer wieder Parallelen auf (z. B. Figuren, Orte). Gleichzeitig verlangen die Perspektivwechsel Aufmerksamkeit: Zu Beginn mancher Kapitel musste ich mich kurz orientieren, um einzuordnen, wessen Geschichte gerade erzählt wird und wie sich die Beziehungen entwickelt haben.

Ich hab's sehr gern gelesen! Was mich allerdings ziemlich kalt erwischt hat, ist die große Rolle, die häusliche Gewalt in diesem Roman spielt. Wie sehr die Gewalt Cora trifft, prägt auch das Leben ihres Sohnes in allen drei Lebenswegen. Im Klappentext wird ihr Mann als „herrisch“ beschrieben. Ein Wort, das das Ausmaß seines Verhaltens bei weitem nicht einfängt. Gordon ist physisch und psychisch gewalttätig. Einige Szenen waren kaum auszuhalten, so grausam sind sie geschildert. Eine Triggerwarnung hätte ich hier wichtig gefunden.