Intensives, berührendes und anspruchsvolles Buch

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melanie22 Avatar

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Im Buch „Die Namen“ geht es laut Klappentext darum, dass eine Mutter 1987 in England entscheiden muss, welchen Namen sie ihrem Sohn gibt. Je nachdem für welchen Namen sie sich entscheidet, wird ihr Sohn ein komplett anderes Leben führen. Soll sie ihm den Namen Gordon geben, wie ihr tyrannischer Ehemann es verlangt, nur um die Familientradition fortzuführen? Oder lieber Julian, der Name, der ihr gefällt? Oder vielleicht Bear, wie Coras Tochter es sich wünscht?

Der Schreibstil der Autorin ist von Beginn an mitreißend und sehr einnehmend. Die Gedanken, die sich Cora über die Namenswahl macht, sind so unglaublich fürsorglich und wir können durch den Schreibstil tief in ihre Gedanken eintauchen. Ich konnte ihre Gedanken so gut nachvollziehen, weil ich über die Namen meiner Kinder ebenfalls sehr viel nachgedacht habe, um eine weise Entscheidung zu treffen. Neben der Erzählung in 1987 folgen noch fünf weiter Erzählabschnitte in jeweiligen Sieben-Jahres Schritten. In jedem dieser fünf Abschnitte wird die Erzählung mit den drei Namen Gordon, Julian und Bear fortgeführt, d. h. wir erhalten fünfmal einen Einblick, wie das Leben von Coras Sohn verlaufen wäre, hätte er den jeweiligen Namen erhalten. Und diese Namenswahl betrifft nicht nur ihn, sondern die ganze Familie und das Umfeld. Ich finde die Idee hinter dem Buch sehr interessant, die einzelnen Abschnitte aber manchmal etwas verwirrend und anspruchsvoll zu Lesen, was das Buch für mich zeitweise sehr herausfordernd hat werden lassen. Desweiteren werden Themen wie häusliche Gewalt und Femizid behandelt, für die ich mir eine Triggerwarnung gewünscht hätte, da ich aus dem Klappentext nicht ersehen konnte, auf welche schwierigen und herausfordernden Themen ich mich hier einlasse.

Was mir an diesem Buch neben dem mitreißenden Schreibstil sehr gefallen hat, ist die eindringliche, teilweise bildhafte Erzählweise der Autorin, die ich ganz großartig fand. Des Weiteren ist die Geschichte wirklich sehr gut ausgestaltet. Es ist unglaublich spannend zu beobachten, wie sich Coras Sohn mit den drei unterschiedlichen Namen entwickelt, da er ja eigentlich ein und derselbe Mensch mit derselben Genetik ist. Jede Version seines Lebens ist wirklich sehr interessant, vor allem, wenn man sie miteinander vergleicht. Mich hat das Buch sehr nachdenklich gemacht, aber aufgrund der ernsten Themen auch sehr schockiert. Ich habe da viele Emotionen durchleben dürfen und wurde teilweise sehr gefordert, denn das Buch ist keine einfache Kost, so wie der Klappentext es vermittelt. Sehr berührend fand ich Coras eigene Art mit den Erlebnissen umzugehen und die Liebe zu ihren Kindern, für die sie sich ein besseres Leben wünscht. Gerade die Dialoge mit ihrer Tochter am Anfang fand ich ganz toll.

Fazit: Anspruchsvolles Buch mit ernsten Themen, auf die es einen Hinweis im Klappentext oder Buchanfang hätte geben sollen. Wundervoller Schreibstil und eine interessante Geschichte die fordert und noch lange nachhallt. Kein leichter aber für mich bereichernder Read.