Interessantes Konzept mit kleinen Schwächen

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
maike_pdf Avatar

Von

„Die Namen“ von Florence Knapp hatte für mich eine sehr spannende Grundidee: Die Geschichte eines Jungen wird in drei verschiedenen Varianten erzählt. Je nachdem, welchen Namen seine Mutter ihm am Tag seiner Geburt gibt. Ein kleines Detail, das große Auswirkungen auf ein ganzes Leben haben soll. Genau dieses Konzept hat mich neugierig gemacht.
Der Roman folgt also drei möglichen Lebenswegen, die sich aus dieser Entscheidung ergeben. Das fand ich grundsätzlich interessant, auch wenn es mir gegen Ende manchmal etwas schwerfiel, die Handlungsstränge klar auseinanderzuhalten. Die Idee dahinter ist stark, aber in der Umsetzung hätte ich mir stellenweise etwas mehr Feinheit oder Klarheit gewünscht.
Inhaltlich behandelt das Buch zudem sehr schwere Themen, besonders rund um eine von Gewalt geprägte Ehe. Das verleiht der Geschichte zwar Tiefe, hat für mich aber auch dafür gesorgt, dass das Lesen emotional deutlich schwerer war als erwartet. Eine Triggerwarnung hätte hier meiner Meinung nach nicht geschadet.
Trotzdem lässt sich der Roman insgesamt recht schnell lesen und hat einige eindringliche Momente. Die verschiedenen Perspektiven zeigen gut, wie sehr Lebenswege von kleinen Entscheidungen und Umständen geprägt sein können.
Am Ende blieb bei mir das Gefühl, dass die Idee des Buches sehr stark ist, die Umsetzung mich aber nicht ganz so sehr überzeugen konnte wie erhofft. Trotzdem eine interessante und ungewöhnliche Lektüre.