Spannender Aufbau

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elenanett Avatar

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Der Debütroman „Die Namen“ von Florence Knapp hat mich vor allem durch seinen ungewöhnlichen Aufbau neugierig gemacht. Die Geschichte entfaltet sich entlang von drei möglichen Lebenswegen – abhängig davon, welchen Vornamen der Neugeborene erhält. Im Zentrum steht Cora, die vor der für sie bedeutungsschweren Entscheidung steht, wie sie ihren Sohn nennen soll. Sie ist überzeugt davon, dass bereits der Klang eines Namens den Charakter eines Menschen prägen kann. Zur Auswahl stehen Gordon, Julian und Bear – und genau hier setzt der erzählerische Aufbau des Romans an. Die Kapitel springen zwischen diesen drei Versionen der Realität hin und her, ergänzt durch Zeitsprünge. Dabei wird deutlich, dass nicht nur der Sohn je nach Namen unterschiedliche Persönlichkeiten entwickelt, sondern dass sich auch das gesamte Familiengefüge jeweils anders entfaltet. Diese Idee ist definitiv spannend und hebt das Buch von vielen anderen ab. Allerdings hat mir eine Triggerwarnung gefehlt. Der Roman enthält sehr plastische und brutale Darstellungen häuslicher Gewalt. Für bestimmte Lesergruppen könnte das durchaus belastend sein. Trotz kleinerer Schwächen in der Umsetzung fand ich die Grundidee wirklich gelungen. Ob es letztlich überzeugend ist, dass ein Vorname so starken Einfluss auf die Charakterentwicklung hat, bleibt für mich allerdings fraglich. Denkbar ist auch, dass Coras eigene Entwicklung und Wahrnehmung eine größere Rolle spielt, als es zunächst scheint. Insgesamt ein interessanter und ungewöhnlich aufgebauter Roman, der zum Nachdenken anregt – auch wenn er nicht in allen Punkten vollständig überzeugt. Auf jeden Fall eine absolute Leseempfehlung von mir!