Historischer Roman oder Krimi?

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
elke17 Avatar

Von

Wir befinden uns im viktorianischen London, ein Setting, das wir bereits aus dem vorherigen Roman des Autors Alex Hay kennen. Dort treffen wir auf Quinn Le Blanc, eine geniale Trickbetrügerin, eher bekannt als die „Queen von Mayfair“, die hier den ganz großen Coup im Visier hat. Der dicke Fisch, den sie zu fangen gedenkt, ist der Duke of Kendal, vermögender Spross einer wohlhabenden Adelsfamilie. Unterstützt wird sie dabei von Silk, einem Gauner, mit dem sie schon lange zusammenarbeitet. Fünf Tage haben sie Zeit, um ihren wasserdichten Plan, der aus fünf Schritten besteht, durchzuziehen. Aber ganz so einfach, wie gedacht ist es dann doch nicht, haben sie doch den fatalen Fehler begangen und die Gegenseite unterschätzt.

Hay erzählt multiperspektivisch, lässt in alternierenden Kapiteln die Beteiligten zu Wort kommen. Aber leider macht er dennoch den gleichen Fehler, den ich bereits im Vorgänger moniert habe, er konzentriert sich zu sehr auf die Vorbereitungen plus entsprechender Twists, was leider zu Lasten der Charakterentwicklung der Hauptfiguren geht. Das mag ja in Ocean’s Eleven funktionieren, aber „Die Queen von Mayfair“ ist in erster Linie ein historischer Roman, kein Krimi. Aber in den Beschreibungen des viktorianischen London plus seiner adligen Gesellschaft brilliert der studierte Historiker. Diese sind außerordentlich gut gelungen und erzeugen in der Tat die entsprechenden Bilder im Kopf des Lesers.

3,5 von 4, wohlwollend aufgerundet, verbunden mit der Hoffnung, dass die Gewichtung bei seinem nächsten Roman besser klappt.