Trickbetrug im viktorianischen Zeitalter
Die "Queen von Mayfair" ist ein erfrischendes und unterhaltsames Buch, dass ich in wenigen Leseetappen regelrecht aufgesaugt habe. Als Fan von Büchern, die in England im (spät)viktorianischen Zeitalter spielen, hat das Buch meinen Nerv insbesondere auch dadurch getroffen, da es das London zu der Zeit sehr anschaulich beschreibt, Risse in der Gesellschaft (Adel vs. ärmere Landsleute) anspricht, die Aufbruchstimmung zur Jahrhundertwende spürbar wird und gleichzeitig der Leser den Pomp der Londoner Saison miterleben darf. Das Setting selbst empfinde ich als ansprechend und mitreißend und es lässt den Leser tief in Quinns Welt eintauchen.
Der Roman hangelt sich an 5 Schritten entlang, die laut Quinn bzw. Laut ihrer "Lehre" genauso durchzuführen sind, damit ein Coup gelingt. Und dass der Coup, sich den Duke of Kendal zu angeln, gelingen muss, ist existenzsichernd für Quinn. Jeder Schritt soll genau einen Tag dauern, dementsprechend erstreckt sich die Handlung des Buches über 5 Tage. Jeder Tag setzt sich aus mehreren Kapiteln zusammen und man folgt in dem Buch verschiedenen Perspektiven, nicht nur der Hauptperson Quinn. Hält die Spannung hoch und lässt den Leser Bindung zu verschiedenen Charakteren aufbauen und noch mehr mitfühlen. Persönlich finde ich die Schwester des Duke of Kendals, Victoria, den interessantesten Charakter im Buch, da sie durch ihre Verzweiflung, Abgeschiedenheit und exzentrische Persönlichkeit die ganze Personenzusammenstellung ordentlich aufmischt und maßgeblich zur Spannung beiträgt.
Quinn und ihre Welt lernt man aber natürlich als erstes kennen, doch schnell erfährt man, dass in dem Buch nicht nur ein Coup am Laufen ist, sondern dass es einen Gegenspieler gibt, der sein eigenes Spiel treibt. Durch den Gegenspieler erhält das Buch Krimi-Elemente und weil zudem Familiengeheimnisse und undurchsichtige Schatten der Vergangenheit bei nahezu allen Beteiligten eine große Rolle in der Geschichte spielen, ist schnell schon eine unterschwellige Spannung zu spüren, die sich immer weiter aufbaut - bis sie sich im großen Knall entlädt. Eins muss man dem Autor wirklich lassen: ich habe schon lange nicht mehr einen so stimmungsvollen, bildreichen Roman gelesen, der so viele Genre abdeckt (Krimi, Familiendrama, historischer Roman, etwas Romantik, wenn auch nebensächlich für diese Geschichte) dabei so komplex ist und sich stimmig liest.
Dennoch habe ich zwei Kritikpunkte:
1.Das Motiv, weswegen sich Quinn den Duke of Kendal als Zielperson auswählt, ist irgendwie unklar. Es gibt zwar eine Art Erklärungsversuch, aber dieser ergibt wenig Sinn im großen Kontext gesehen, wie sich Quinn und ihr Gehilfe normalerweise die Opfer aussuchen. Interessanterweise ist nach dem Lesen des Nachtworts des Autors aber alles klar. Hier hätte ich mir gewünscht, dass diese Erklärung es tatsächlich in den Roman geschafft hätte. Das hätte für mehr Glaubwürdigkeit gesorgt.
2. Auch wieso es eigentlich nach so wenigen Tagen Spiel zu einer Hochzeit kommen soll, bleibt etwas ungewiss bzw. wirkt stellenweise wie hingedreht. Würde wirklich ein Gentleman eine Dame heiraten, die er gerade erst kennengelernt hat und über deren Hintergrund nicht viel bekannt ist? Ich möchte natürlich nicht Spoilern, deswegen belasse ich es dabei zu sagen, dass ich den Duke of Kendal und seine Denkensweise trotz aller Hintergründe zu seinem Charakter nicht komplett überzeugend finde.
Die Kritikpunkte haben mich zwischenzeitlich schon etwas geärgert, da sie für den Verlauf der Geschichte nicht unwichtig sind, dem Lesespaß und der meiner Meinung nach hohen Qualität des Buches tun sie aber keinen Abbruch.
Ich spreche eine klare Leseempfehlung aus und denke, v.a. Leser, die gerne englische Gesellschaftsromane oder Familiendramen im historischen Setting lesen kommen hier auf ihre Kosten.
Der Roman hangelt sich an 5 Schritten entlang, die laut Quinn bzw. Laut ihrer "Lehre" genauso durchzuführen sind, damit ein Coup gelingt. Und dass der Coup, sich den Duke of Kendal zu angeln, gelingen muss, ist existenzsichernd für Quinn. Jeder Schritt soll genau einen Tag dauern, dementsprechend erstreckt sich die Handlung des Buches über 5 Tage. Jeder Tag setzt sich aus mehreren Kapiteln zusammen und man folgt in dem Buch verschiedenen Perspektiven, nicht nur der Hauptperson Quinn. Hält die Spannung hoch und lässt den Leser Bindung zu verschiedenen Charakteren aufbauen und noch mehr mitfühlen. Persönlich finde ich die Schwester des Duke of Kendals, Victoria, den interessantesten Charakter im Buch, da sie durch ihre Verzweiflung, Abgeschiedenheit und exzentrische Persönlichkeit die ganze Personenzusammenstellung ordentlich aufmischt und maßgeblich zur Spannung beiträgt.
Quinn und ihre Welt lernt man aber natürlich als erstes kennen, doch schnell erfährt man, dass in dem Buch nicht nur ein Coup am Laufen ist, sondern dass es einen Gegenspieler gibt, der sein eigenes Spiel treibt. Durch den Gegenspieler erhält das Buch Krimi-Elemente und weil zudem Familiengeheimnisse und undurchsichtige Schatten der Vergangenheit bei nahezu allen Beteiligten eine große Rolle in der Geschichte spielen, ist schnell schon eine unterschwellige Spannung zu spüren, die sich immer weiter aufbaut - bis sie sich im großen Knall entlädt. Eins muss man dem Autor wirklich lassen: ich habe schon lange nicht mehr einen so stimmungsvollen, bildreichen Roman gelesen, der so viele Genre abdeckt (Krimi, Familiendrama, historischer Roman, etwas Romantik, wenn auch nebensächlich für diese Geschichte) dabei so komplex ist und sich stimmig liest.
Dennoch habe ich zwei Kritikpunkte:
1.Das Motiv, weswegen sich Quinn den Duke of Kendal als Zielperson auswählt, ist irgendwie unklar. Es gibt zwar eine Art Erklärungsversuch, aber dieser ergibt wenig Sinn im großen Kontext gesehen, wie sich Quinn und ihr Gehilfe normalerweise die Opfer aussuchen. Interessanterweise ist nach dem Lesen des Nachtworts des Autors aber alles klar. Hier hätte ich mir gewünscht, dass diese Erklärung es tatsächlich in den Roman geschafft hätte. Das hätte für mehr Glaubwürdigkeit gesorgt.
2. Auch wieso es eigentlich nach so wenigen Tagen Spiel zu einer Hochzeit kommen soll, bleibt etwas ungewiss bzw. wirkt stellenweise wie hingedreht. Würde wirklich ein Gentleman eine Dame heiraten, die er gerade erst kennengelernt hat und über deren Hintergrund nicht viel bekannt ist? Ich möchte natürlich nicht Spoilern, deswegen belasse ich es dabei zu sagen, dass ich den Duke of Kendal und seine Denkensweise trotz aller Hintergründe zu seinem Charakter nicht komplett überzeugend finde.
Die Kritikpunkte haben mich zwischenzeitlich schon etwas geärgert, da sie für den Verlauf der Geschichte nicht unwichtig sind, dem Lesespaß und der meiner Meinung nach hohen Qualität des Buches tun sie aber keinen Abbruch.
Ich spreche eine klare Leseempfehlung aus und denke, v.a. Leser, die gerne englische Gesellschaftsromane oder Familiendramen im historischen Setting lesen kommen hier auf ihre Kosten.