Unterhaltsame Gaunergeschichte vor historischem Hintergrund

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dana09 Avatar

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Ich bin ein Fan von Geschichten, die in England während der viktorianischen Zeit spielen. Hier faszinieren mich besonders die Unterschiede zwischen den gesellschaftlichen Schichten. Während die die Oberklasse gelangweilt in ihrer dekadenten Welt lebt, müssen Bürger und besonders die Unterschicht Tag für Tag um ihr Überleben kämpfen.
Diese Geschichte spielt 1898 in London. In einem heruntergewirtschafteten Chateau haben sich Trickbetrüger eingenistet. Die Bande wird angeführt von Quinn Le Blanc, die sich vorgenommen hat, sich innerhalb von fünf Tagen einen reichen Ehemann zu angeln. Das Ziel ihrer Bemühungen ist Lord Kendal, an den sie sich, als reiche Witwe getarnt, ran macht.
Hier kommen für mich die ersten Unwahrscheinlichkeiten auf. Ist es vorstellbar, dass sich ein englischer Adliger so schnell in eine fremde Frau mit unbekannter Vergangenheit verliebt, dass er sie nach fünf Tagen zu seiner Ehefrau macht?
Natürlich läuft auch für Quinn nicht alles reibungslos nach Plan. Als auch noch ein geheimnisvoller Gegenspieler, der im Hintergrund die Fäden in der Hand hält, auftaucht, kommt Spannung in die Geschichte. Das Katz-und-Maus-Spiel kann beginnen……
Alex Hay hat mit „Die Queen von Mayfair“ einen unterhaltsamen Historienroman vorgelegt, der aber auch seine Schwächen hat. Mein Hauptkritikpunkt betrifft die Ausarbeitung der Figuren. Allen Charakteren fehlen Persönlichkeit und Tiefe, sie bleiben farb- und leblos.
Gut ausgearbeitet und dargestellt sind die verschiedenen Settings. Sowohl das Oberklassenflair mit seinen Intrigen und Übertreibungen als auch die Atmosphäre im herunter gekommen Chateau werden beim Lesen spürbar. So wird das London am Ende des 19. Jahrhunderts zum Leben erweckt. Dass die Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven erzählt werden, gefällt mir gut.
Anfangs brauchte ich etwas Zeit um in die Geschichte rein zu kommen. Ziemlich undurchsichtig und unzusammenhängend erschien mir das Ganze. An den sprunghaften Schreibstil musste ich mich auch erst gewöhnen. Dann gelang es mir, mich an den Gaunereien inklusive Täuschungsmanöver und Mauscheleien einerseits und den Druck durch die Erwartungen der adligen Familie andererseits, umrahmt von opulenten Bällen und prunkvollen Kleidern, zu erfreuen.

Da mich das Buch bzw. die Geschichte gut unterhalten hat (obwohl es durchaus noch „Luft nach oben“ gibt), vergebe ich vier von fünf Sternen.