Tödlicher Countdown mit Galgenhumor
Die Prämisse dieser dystopischen Satire erinnert an gesellschaftskritische Klassiker wie Logan’s Run, verlegt das Szenario jedoch mitten in den zynischen Lifestyle- und Eventwahn einer durchkommerzialisierten Gegenwart: Wegen globaler Überbevölkerung wird jedem Menschen ab der Geburt ein Herzimplantat eingesetzt, das am 40. Geburtstag auf die Minute genau den Herzstillstand auslöst. Die Protagonistin Chanell steht genau eine Woche vor diesem unausweichlichen Datum und leidet am sogenannten „Prämortal-Syndrom“ – einer chronischen Panik vor dem eigenen Verfallsdatum, an der sich Psychotherapeuten dumm und dämlich verdienen.
Erzählerisch lebt die Leseprobe von einem erfrischend bissigen, trockenen Galgenhumor: Anstatt in pathetische Trauer zu verfallen, schildert Chanell mit herrlicher Selbstironie die bizarren Blüten dieses Systems. Da gibt es professionelle „Happy-End-Planerinnen“ (HEP), die für ein üppiges Honorar die perfekte „Rest-In-Peace-Party“ (R.I.P.-Day) im All-Inclusive-Paket organisieren; Plattformen wie FinanceMyGrave, auf denen Todgeweihte ihren Hausrat als „Dead-Deals“ an dreiste Schnäppchenjäger verschachern, um das eigene Begräbnis vorzufinanzieren; und Rabattaktionen in Geschäften, die man mit dem Personalausweis in der „Death-Week“ abstauben kann. Sogar vor einer letzten Dosis Botox macht Chanell nicht halt – getreu dem Motto: Wenn schon sterben, dann wenigstens faltenfrei für das finale Abschiedsfoto.
Hinter dem schnoddrigen Unterton entfaltet sich jedoch eine überraschend berührende Tragik über Einsamkeit und das Bereuen verpasster Chancen: Fast alle ihre Freunde und Verwandten sind bereits mit vierzig gestorben, Kinderheime quellen über vor Halbwaisen, und die Gesellschaft hat sich längst an das Massensterben im besten Alter gewöhnt. Der Besuch bei ihrer Cousine Rachel im Krankenhaus und das abendliche Betrachten alter Cloud-Videos auf dem Sofa führen die bittere Endlichkeit eines Lebens vor Augen, das viel zu früh abgeschnitten wird.
Auf sprachlicher Ebene bedient sich der Text zwar streckenweise etwas simpler Anglizismen und flapsiger Redewendungen („abkratzen“, „Sau rauslassen“, „voll auf dem Ökotrip“), was dem flapsigen Charakter der Ich-Erzählerin geschuldet ist. Dennoch gelingt die Balance zwischen absurder Konsumkritik und echter menschlicher Wehmut erstaunlich gut.
Ich möchte das Buch auf jeden Fall ganz lesen, weil ich wissen will, ob Chanell ihre letzte Woche wirklich nur als gehorsam durchgetakteten Abgang absitzt oder ob die angekündigten 168 Stunden doch noch eine unerwartete Rebellion bereithalten.
Erzählerisch lebt die Leseprobe von einem erfrischend bissigen, trockenen Galgenhumor: Anstatt in pathetische Trauer zu verfallen, schildert Chanell mit herrlicher Selbstironie die bizarren Blüten dieses Systems. Da gibt es professionelle „Happy-End-Planerinnen“ (HEP), die für ein üppiges Honorar die perfekte „Rest-In-Peace-Party“ (R.I.P.-Day) im All-Inclusive-Paket organisieren; Plattformen wie FinanceMyGrave, auf denen Todgeweihte ihren Hausrat als „Dead-Deals“ an dreiste Schnäppchenjäger verschachern, um das eigene Begräbnis vorzufinanzieren; und Rabattaktionen in Geschäften, die man mit dem Personalausweis in der „Death-Week“ abstauben kann. Sogar vor einer letzten Dosis Botox macht Chanell nicht halt – getreu dem Motto: Wenn schon sterben, dann wenigstens faltenfrei für das finale Abschiedsfoto.
Hinter dem schnoddrigen Unterton entfaltet sich jedoch eine überraschend berührende Tragik über Einsamkeit und das Bereuen verpasster Chancen: Fast alle ihre Freunde und Verwandten sind bereits mit vierzig gestorben, Kinderheime quellen über vor Halbwaisen, und die Gesellschaft hat sich längst an das Massensterben im besten Alter gewöhnt. Der Besuch bei ihrer Cousine Rachel im Krankenhaus und das abendliche Betrachten alter Cloud-Videos auf dem Sofa führen die bittere Endlichkeit eines Lebens vor Augen, das viel zu früh abgeschnitten wird.
Auf sprachlicher Ebene bedient sich der Text zwar streckenweise etwas simpler Anglizismen und flapsiger Redewendungen („abkratzen“, „Sau rauslassen“, „voll auf dem Ökotrip“), was dem flapsigen Charakter der Ich-Erzählerin geschuldet ist. Dennoch gelingt die Balance zwischen absurder Konsumkritik und echter menschlicher Wehmut erstaunlich gut.
Ich möchte das Buch auf jeden Fall ganz lesen, weil ich wissen will, ob Chanell ihre letzte Woche wirklich nur als gehorsam durchgetakteten Abgang absitzt oder ob die angekündigten 168 Stunden doch noch eine unerwartete Rebellion bereithalten.