Ein Buch, das verzaubert und beglückt

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Dieser Roman, in dem ein liebenswerter, älterer und literaturverliebter Meisterdetektiv und seine Enkeltochter Kaede die Hauptfiguren darstellen, ist unterhaltsam und von einer freundlichen, optimistischen Grundhaltung geprägt. Dabei kämpfen die beiden Protagonisten in der Rahmenhandlung mit gleich zwei beängstigenden Themen – der Großvater mit seiner Demenz und Kaede mit einer Bedrohung aus ihrer Vergangenheit.
Trotz dieser bedrückenden, aber behutsam behandelten Themen liest sich der Roman leicht und er fasziniert durch die seltsamen Rätsel, die Kaedes Großvater zu lösen versucht. Diese rätselhaften Geschichten wirken teilweise so bizarr, dass ich mir anfangs gar nicht vorstellen konnte, dass sie, zumindest in dieser Romanwelt, wahr sein könnten. Doch der Großvater nähert sich ihnen mit Offenheit und überzeugender Logik, die dann doch noch einen (möglichen) Sinn finden – was mal wieder zeigt, dass nicht alles, was man nicht gleich versteht, deshalb auch gleich falsch bzw. unwahr ist. Aber der Roman handelt auch von Zusammenhalt, Freundschaft und Liebe, von Traumata und ihrer Überwindung. Und er konnte mich immer wieder überraschen und verzaubern.
An einigen Stellen wirkten auf mich allerdings die Dialoge seltsam gekünstelt, wobei ich vermute, dass dies an der mir leider nicht sehr vertrauten Kultur liegt. Dabei mochte ich an dem Roman gerade die Zartheit, respektvolle Annäherung an die Figuren und sanfte Poesie, die ich schon so oft bei japanischer Literatur gefunden habe. Und gerade, weil dieses Buch in mir die Lust weckte, noch tiefer in die japanische Kultur einzutauchen, hätte ich mich sehr über ein kleines Glossar gefreut, denn es gibt ein paar (zum Glück wenige) japanische Begriffe (sempai, dimsun …), für die ich mir eine Erklärung gewünscht hätte, ohne selbst auf Google zurückgreifen zu müssen. Auch eine Liste der erwähnten Bücher und Filme hätte ich im hinteren Teil des Buches hilfreich gefunden, da ich beim Lesen immer gleich weiterlesen und nicht pausieren wollte, um mir etwas zu notieren. Dafür freute ich mich über die wunderschöne Gestaltung des Farbschnitts und des Vorsatzes mit Pflanzenmotiven, die an Japan erinnern - und es war auch sehr schön, wenn auch überraschend, an die Filmwelt Alfred Hitchcocks erinnert zu werden, die auch eine kleine Rolle in diesem Roman spielt.
Für mich eine in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche Lektüre, die ich daher sehr mochte!