Eine Reise voller Melancholie und Scharfsinn

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josephine5 Avatar

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Der Schreibstil ist „typisch japanisch“ – sehr ruhig, stellenweise fast schlicht oder kindlich wirkend, was anfangs gewöhnungsbedürftig sein kann. Auch die vielen unübersetzten japanischen Begriffe fordern vom Leser ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit und Einlassung auf die fremde Kultur.

Doch wenn man erst einmal in den Rhythmus der Geschichte gefunden hat, entfaltet sie einen wunderbaren Sog. Es ist faszinierend zu beobachten, wie der Großvater trotz seiner Krankheit Kriminalfälle mit einer Brillanz löst, die an Sherlock Holmes erinnert. Die vier enthaltenen Fälle sind kreativ konstruiert und die Auflösungen wirken nachvollziehbar, auch wenn manche Wendungen für geübte Rätselfreunde vielleicht einen Tick zu schnell kommen.

Besonders spannend bleibt für mich die persönliche Entwicklung von Kaede. Ihre Unsicherheit in Liebesdingen und die Frage, für welchen der beiden jungen Männer ihr Herz letztlich schlägt, bleibt ein Rätsel, das wohl erst im dritten Teil gelöst wird. Wer den ersten Band nicht kennt, könnte es etwas schwerer haben, die tiefen emotionalen Verstrickungen sofort zu greifen – daher meine Empfehlung: Lest die Reihe unbedingt in der richtigen Reihenfolge!

Ein leiser, nachdenklicher Roman, der noch lange nachhallt. Perfekt für alle, die Krimis ohne laute Action, dafür mit viel Herz, Kultur und klugen Deduktionen suchen. Ein echtes Highlight für Liebhaber japanischer Literatur!