herzlich, wunderbar und gut erzählt

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kerstin aus obernbeck Avatar

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Die Rätsel meines Großvaters / Masateru Konishi
 
Im vergangenen Jahr habe ich „Die Bibliothek meines Großvaters“ gelesen und die junge Lehrerin Kaede, ihre Freunde Iwata und Shiki und natürlich den titelgebenden Großvater kennenlernen dürfen. Nun ist der zweite Teil der Reihe erschienen und ich war neugierig zu erfahren, wie es weitergeht. Nachdem im ersten Teil die Charaktere vorgestellt wurden, vertieft der Autor in diesem Buch nun ihre Geschichten. Iwata begegnet dem Weihnachtsmann, es wird von Shikis Theaterarbeit erzählt und natürlich gibt es Begegnungen mit dem Großvater, verbunden mit Erläuterungen zu seiner besonderen Form der Demenz, aber auch mit Momenten, in denen er brillant die Rätsel löst, die seiner Enkelin und ihren Freunden begegnen.
 
Das Buch beinhaltet fünf Rätsel, erzählt von dem Verschwinden von Iwatas Vater, einem faszinierenden Schauspieler, dem Mord an einem Polizisten, einem unerwarteten und unerwünschten Wiedersehen sowie einer Zeitreise.
Es sind kluge Geschichten mit nicht vorhersehbaren Auflösungen, die darüber hinaus Einblicke in die japanische Kultur geben und viel interessantes Wissen vermitteln.
 
Masateru Konishi greift in seinen Geschichten auf klassische Krimi-AutorInnen zurück, spielt auf bekannte Werke an oder lässt Elemente wie „die letzte Botschaft / Dying Message“ einfließen, so dass die Rätsel der Gegenwart eine Verbindung zu bekannten Krimis bekommen.
 
„Alle Dinge, die sich auf der Welt zutragen, waren Geschichten. Und weil Geschichten immer ein Happy End haben müssen, muss man fest an ein gutes Ende glauben. Das war einer von Großvaters Lieblingssprüchen.“ (S.93)
 
Ein bisschen „Love is in the Air“ ist auch dabei - und auch wenn die Situation von Kaede, Iwata und Shiki auch in diesem Buch nicht aufgelöst wird, ist das völlig okay für mich. Zum Pageturner allein macht dieser Handlungsstrang das Buch nämlich nicht, dass es sich förmlich wie von selbst liest, liegt an den gut und spannend erzählten Geschichten, den unerwarteten Wendungen und den lebendigen und bildhaften Beschreibungen.
 
Der Großvater ist an Lewy-Körperchen-Demenz erkrankt, seine gesundheitlichen Einschränkungen sowie das wechselhafte Befinden werden unaufgeregt erzählt, Kaedes Sorge um und ihre Liebe für ihn einfühlsam und nachvollziehbar beschrieben.
Der Autor nennt die weit zurückliegenden Erinnerungen des dementen Großvaters Zeitreisen und ich finde dies eine wunderbare, fantasievolle und tröstliche Umschreibung.

Neben der Begeisterung des Autors für klassische Krimis scheint er auch ein großer Fan von Alfred Hitchcock zu sein, denn es gibt einige Momente mit dem „Master of Suspense“. Großartig!
 
„Die großen Rätsel kann nur das Herz lösen“ steht auf der Rückseite und gibt auf wunderbare Weise meinen Eindruck von dem Buch wieder. Das Cover ist liebevoll gestaltet und wird der Geschichte sehr gerecht. Die Rätsel meines Großvaters“ bietet unterhaltsame, feine und kurzweilige Lektüre. Es gibt spannende Momente, kluge Erklärungen und Figuren, die mir mehr und mehr ans Herz wachsen, so dass ich mich schon jetzt auf den dritten Teil freue. Das Buch bietet eine ganz eigene Mischung aus Krimi und Erzählung hat mir gut gefallen.

Herzliche Leseempfehlung!