Leckerchen für Hitchcock-Fans
Optik
Die aquarell wirkende Gestaltung mit dem Großvater auf seinem Sessel und Kaede, welche im Garten auf die Welt blickt, ist sehr passend gewählt. Die roten Blätter des japanischen Ahorn an den Buchseiten geben ein verträumt/edles finish. Die Seiten selbst sind schön fest und Schriftgröße, sowie Absatzplanung sehr angenehm.
Schreibstil
Trotz der sehr bildhaften Sprache sind sehr dramatische Szenen teils äußerst nüchtern, fast sachlich, beschrieben. Emotionen und zwischenmenschliche Beziehungen werden mehr über Gestiken und zwischen den Zeilen illustriert, statt klar benannt. Durch den starken kulturellen Unterschied zwischen der westlichen und der japanischen Welt, wirkt dies mitunter verwirrend. Schafft man es jedoch sich darauf einzulassen, oder ist mit den sozialen Regeln Japans etwas bekannt, entsteht ein mannigfaltiges Bild. Bei Gruppenszenen ist es dennoch oft undurchsichtig, welcher Charakter welche Aussage trifft.
Story und Charaktere
Unsere, zumindest laut Klappentext deklarierte, Protagonistin ist das Klischee einer wohlerzogenen, weiblichen Japanerin. Schüchtern, bescheiden, ruhig, diszipliniert, fürsorglich und auf natürliche Weise hübsch genug um Herzen zu ergreifen, aber nicht so schön, dass es als einschüchternd/vulgär wahrgenommen werden könnte. Mit ihren zwei männlichen Freunden befindet sie sich in einer klassischen Liebesecke: Beide Männer sind an ihr interessiert und sie muss sich entscheiden. Allgemein wirkt Kaede mehr wie ein Stilmittel um den Plott voran zu bringen oder die männlichen Charaktere glänzen zu lassen, als eine eigenständige Person mit eigener Agenda. Auch Gespräche mit anderen weiblichen Charakteren (wovon es nur wenige gibt) dienen lediglich um zu verdeutlichen wie traumhaft, schlau und stattlich die männlichen Charaktere doch sind.
Der Großvater dagegen ist, trotz seiner Demenz, ein absolutes Genie. Nach nur kurzem Bericht einer - für ihn bis dato fremden - Kindheitserinnerung knackt er einen 30-Jahre alten Fall ohne Hinweise oder Beweise. Sogar den Inhalt eines Briefes, welcher nicht länger existiert und niemals von jemandem gelesen wurde, kann er wortwörtlich wiedergeben. Egal wie weit hergeholt seine Schlussfolgerungen auch sind: er soll immer Recht behalten. Was für eine Superkraft!
Dieses Talent bringt schließlich auch die Kriminalpolizei auf den Plan, welche sich ohne den Opa anscheinend kaum allein die Schuhe zubinden kann. Die Beamten akzeptieren jede Theorie des Opas als Wahrheit und nehmen sie sogar als Grundlage für Ermittlungen, Verhaftungen und Pressemitteilungen. Beweise? Die sind für Anfänger. Wir haben Superopa!
Fazit
Wer Krimis nach der Prämisse "Was wäre in einer fiktiven Krimi-Geschichte am spektakulärsten?" genießt, wilde Schlussfolgerungen ohne Nachvollziehbarkeit spannend findet und eindimensionale Charaktere bevorzugt, für den ist dieses Buch eine Goldgrube. Wer sich beim Lesen gerne berieseln lässt ohne mitzudenken wird auch seine wahre Freude daran haben.
Ich gehöre leider nicht zu diesen Gruppen. Ich mag meine Krimis zwar gerne wirr, aber die Geschehnisse sollten dennoch einer inneren Logik folgen und Plott-twists zumindest im Nachhinein nachvollziehbar sein. Ich rätsel gerne mit und folge den Hinweisen wie auf einer Schnitzeljagd. Für mich war das einzig faszinierende an diesem Buch: Die Kunst auch wirklich absolut alles auf Hitchcock zu beziehen, und sei es noch so abwegig.
Die aquarell wirkende Gestaltung mit dem Großvater auf seinem Sessel und Kaede, welche im Garten auf die Welt blickt, ist sehr passend gewählt. Die roten Blätter des japanischen Ahorn an den Buchseiten geben ein verträumt/edles finish. Die Seiten selbst sind schön fest und Schriftgröße, sowie Absatzplanung sehr angenehm.
Schreibstil
Trotz der sehr bildhaften Sprache sind sehr dramatische Szenen teils äußerst nüchtern, fast sachlich, beschrieben. Emotionen und zwischenmenschliche Beziehungen werden mehr über Gestiken und zwischen den Zeilen illustriert, statt klar benannt. Durch den starken kulturellen Unterschied zwischen der westlichen und der japanischen Welt, wirkt dies mitunter verwirrend. Schafft man es jedoch sich darauf einzulassen, oder ist mit den sozialen Regeln Japans etwas bekannt, entsteht ein mannigfaltiges Bild. Bei Gruppenszenen ist es dennoch oft undurchsichtig, welcher Charakter welche Aussage trifft.
Story und Charaktere
Unsere, zumindest laut Klappentext deklarierte, Protagonistin ist das Klischee einer wohlerzogenen, weiblichen Japanerin. Schüchtern, bescheiden, ruhig, diszipliniert, fürsorglich und auf natürliche Weise hübsch genug um Herzen zu ergreifen, aber nicht so schön, dass es als einschüchternd/vulgär wahrgenommen werden könnte. Mit ihren zwei männlichen Freunden befindet sie sich in einer klassischen Liebesecke: Beide Männer sind an ihr interessiert und sie muss sich entscheiden. Allgemein wirkt Kaede mehr wie ein Stilmittel um den Plott voran zu bringen oder die männlichen Charaktere glänzen zu lassen, als eine eigenständige Person mit eigener Agenda. Auch Gespräche mit anderen weiblichen Charakteren (wovon es nur wenige gibt) dienen lediglich um zu verdeutlichen wie traumhaft, schlau und stattlich die männlichen Charaktere doch sind.
Der Großvater dagegen ist, trotz seiner Demenz, ein absolutes Genie. Nach nur kurzem Bericht einer - für ihn bis dato fremden - Kindheitserinnerung knackt er einen 30-Jahre alten Fall ohne Hinweise oder Beweise. Sogar den Inhalt eines Briefes, welcher nicht länger existiert und niemals von jemandem gelesen wurde, kann er wortwörtlich wiedergeben. Egal wie weit hergeholt seine Schlussfolgerungen auch sind: er soll immer Recht behalten. Was für eine Superkraft!
Dieses Talent bringt schließlich auch die Kriminalpolizei auf den Plan, welche sich ohne den Opa anscheinend kaum allein die Schuhe zubinden kann. Die Beamten akzeptieren jede Theorie des Opas als Wahrheit und nehmen sie sogar als Grundlage für Ermittlungen, Verhaftungen und Pressemitteilungen. Beweise? Die sind für Anfänger. Wir haben Superopa!
Fazit
Wer Krimis nach der Prämisse "Was wäre in einer fiktiven Krimi-Geschichte am spektakulärsten?" genießt, wilde Schlussfolgerungen ohne Nachvollziehbarkeit spannend findet und eindimensionale Charaktere bevorzugt, für den ist dieses Buch eine Goldgrube. Wer sich beim Lesen gerne berieseln lässt ohne mitzudenken wird auch seine wahre Freude daran haben.
Ich gehöre leider nicht zu diesen Gruppen. Ich mag meine Krimis zwar gerne wirr, aber die Geschehnisse sollten dennoch einer inneren Logik folgen und Plott-twists zumindest im Nachhinein nachvollziehbar sein. Ich rätsel gerne mit und folge den Hinweisen wie auf einer Schnitzeljagd. Für mich war das einzig faszinierende an diesem Buch: Die Kunst auch wirklich absolut alles auf Hitchcock zu beziehen, und sei es noch so abwegig.