Scharfsinn der bleibt
Ich habe gerade „Die Rätsel meines Großvaters“ beendet und muss erst einmal tief durchatmen, denn dieses Buch hat mich auf eine ganz andere, leisere Art völlig gefangen genommen, als ich es von meinen üblichen Thrillern gewohnt bin. Die Momente, in denen der Großvater trotz seiner Halluzinationen und der schwindenden Erinnerung allein durch messerscharfe Logik und Kombinationsgabe zum „Ermittler im Sessel“ wird, sind einfach brillant konstruiert. Es ist japanische Kriminalliteratur vom Feinsten – ruhig, präzise und unheimlich klug, ohne jemals reißerisch zu sein. Besonders die unzerbrechliche Verbindung zwischen Enkelin und Großvater hat mein Herz berührt und die Geschichte für mich so wertvoll gemacht. Beim Lesen fühlte ich mich mit einer großen Tasse Tee auf meinem Sofa wie auf einem kleinen, atmosphärischen Kurztrip nach Japan. Dieses Bucht hat mich nach der letzten Seite noch lange zum Nachdenken gebracht.