Manchmal braucht es einen vertrauten Ort, um neu anzufangen

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danshi Avatar

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Was macht man, wenn das Leben plötzlich ganz anders verläuft, als man es sich vorgestellt hat? Diese Frage hat mich beim Lesen immer wieder beschäftigt. Judith wird nach fast zwanzig Jahren Ehe von ihrem Mann verlassen und fährt kurzerhand nach Schweden, an den Ort, an dem sie als Kind viele schöne Sommer verbracht hat. Dort begegnet sie ausgerechnet Evi, ihrer früheren besten Freundin, mit der sie seit Jahrzehnten keinen Kontakt mehr hat. Auch Evi steckt in einer schwierigen Situation, denn gesundheitliche Probleme bedrohen ihre Arbeit als Künstlerin. Und dann ist da noch Marga, eine ältere Frau, die zurückgezogen lebt und selbst einiges durchmachen musste. Mir hat besonders gefallen, dass die drei Frauen so unterschiedlich mit ihren Problemen umgehen. Judith versucht, nach der Trennung wieder einen festen Boden unter den Füßen zu bekommen, während Evi sich mit der Angst auseinandersetzen muss, etwas zu verlieren, das bisher ihr Leben bestimmt hat. Gerade diese berufliche Unsicherheit konnte ich gut nachvollziehen. Wenn man viele Jahre für etwas gearbeitet hat, ist es sicher schwer, sich plötzlich eine andere Zukunft vorstellen zu müssen. Marga mochte ich ebenfalls sehr. Ihre eigenwillige Art und ihre Gewohnheit, selbst bei Regen schwimmen zu gehen, machen sie zu einer interessanten Figur. Die Autorin erzählt ruhig und einfühlsam, ohne dass die Geschichte langweilig wird. Durch die wechselnden Perspektiven lernt man die Frauen und ihre Vergangenheit immer besser kennen. Besonders schön fand ich die Beschreibungen der schwedischen Landschaft. Die kleinen Häuser, der See und die Wälder sind so anschaulich geschildert, dass ich mir gut vorstellen konnte, dort selbst ein paar Tage zu verbringen. Auch das Cover mit den roten Häusern am Wasser gefällt mir richtig gut. Es vermittelt genau diese ruhige, etwas nachdenkliche Stimmung. Nicht jede Entwicklung hat mich allerdings vollständig überzeugt. Gerade gegen Ende ging mir manches etwas zu schnell, und einige Schwierigkeiten schienen sich beinahe zu einfach lösen zu lassen. Trotzdem habe ich die Geschichte sehr gerne gelesen. Sie zeigt, wie lange alte Verletzungen nachwirken können und wie schwierig es manchmal ist, sich selbst oder anderen eine zweite Chance zu geben. Ich kann den Roman allen empfehlen, die gerne lebensnahe Geschichten über Freundschaft, Veränderungen und Neuanfänge lesen und dabei auch die ruhigeren Momente zu schätzen wissen.