Was wirklich zählt

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bookworld91 Avatar

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Zwei alte Freundinnen, die sich Jahrzehnte lang nicht gesehen haben. Eine Frau, die zurückgezogen lebt und einen Schmerz nicht überwinden kann. Und ein Gast, der das Leben seiner Gastgeberin auf dem Kopf stellt. Das alles passiert in „Die Regenschwimmerin“.

Früher waren Judith und Evie beste Freundinnen. Doch inzwischen leben sie in zwei Welten: Judith verbringt ihr Leben in Hamburg mit Mann und (frisch ausgezogener) Tochter, während Evie hauptsächlich in der alten Heimat in Schweden lebt. Nach einem folgenschweren Streit fährt Judith in das Dorf ihrer Kindheit- und trifft dort auf mehr Herausforderungen als gedacht…

Romy Fölcks Roman lässt sich von Beginn an gut lesen. Das fängt bei der Sprache an. Authentisch, klar, dennoch gefühlvoll wird sowohl die Situation der Freundinnen damals und heute als auch die von Marga beschrieben. Dabei achtet die Autorin darauf, möglichst viele Einzelheiten (von geschlossenen Läden über ausfallende Buse bis zum Scham davor, den ersten Schritt zu machen) einzubauen. Besonders gelungen finde ich, dass einige Phrasen bewusst im Original bleiben- von schwedischen Sprüchen über englische Äußerungen ist viel dabei. Das Schwedische wird direkt ins Deutsche übersetzt, was den Sprüchen und Reimen eine Authentizität verleiht.

Auch die Charaktere sind realistisch dargestellt. Die erfolgreiche Verlagsmitarbeiterin Judith wollte ursprünglich selber Bücher schreiben und trauert quasi um ihre Chance, Evie nagt an den Verlust der Freundschaft und der Tatsache, dass sie bald für ihre Bilder zu einer Ausstellung soll und diese schlecht anderen erläutern kann und Marga möchte einfach ihre Ruhe, vor allem von Schwager Erwin. Hinzukommt jeweils die Enttäuschung, verletzte Gefühle und fehlende Stabilität- was bleibt, was geht, was ändert sich? All diese Themen sind für die Frauen sehr wichtig und jede einzelne setzt sich damit auseinander.

Geprägt ist der Roman zusätzlich von Schuld und Verzeihen. Judith fällt es schwer, einer Frau zu vergeben, die eine Affäre mit ihren Vater hatte. Ihrem eigenen Mann kann sie nicht verzeihen, dass er eine Affäre hat und sich entfremdet. Evie tut sich schwer damit, Judith zu vergeben, die einfach abgehauen war. Und Marga hat Stress mit ihrem Schwager, der das Haus verkaufen möchte. Insgesamt befinden sich alle Frauen in einem Strudel von Schuld, Vergeben und Verzeihen. Das ist aus meiner Sicht der zentrale Aspekt des eher ruhigen und nachdenklichen Romans: zu verdeutlichen, dass zu jeder Schuld jemand gehört, der Verzeihen kann. Romy Fölck gelingt es, diesen Konflikt exemplarisch darzustellen und den Prozess zu erörtern. Für mich eine klare Leseempfehlung für alle, die mit einem Konflikt, egal wie groß, zu kämpfen haben. Fünf Sterne.