Politisch gedacht, historisch verankert
Das ist ein Romananfang mit Ansage – und zwar eine sehr elegante. Schon der erste Satz ist ein Versprechen: lakonisch, präzise, mit trockenem Humor und einer Selbstverständlichkeit, die sofort Vertrauen schafft. „… merkte nicht sofort, dass man ihn vergiftet hatte.“ Besser kann man kaum in eine Geschichte hineingezogen werden.
Was mich besonders überzeugt hat, ist die Tonlage: Der Text ist kühl, kontrolliert, beinahe beiläufig, und genau dadurch entfaltet sich die Dramatik. Der mögliche Mord wird nicht spektakulär inszeniert, sondern körperlich und gedanklich erfahrbar gemacht. Die Metapher der Decken auf der Brust, das mühsame Atmen, die seltsam sachliche Selbstbeobachtung – das ist sehr fein gearbeitet. Der Erzähler vertraut darauf, dass die Lesenden die Bedrohung selbst spüren, ohne dass sie benannt werden muss.
Großartig ist auch die innere Stimme Germeshausens: ein Beamter, ein Funktionsträger, jemand, der Kontrolle gewohnt ist – und der selbst im Sterben noch über Grabinschriften, Röntgenschürzen und Hotelbar-Mäppchen nachdenkt. Diese Mischung aus existenzieller Angst und bürokratischer Nüchternheit hat etwas Bitterkomisches und erinnert mich an die große Tradition politischer Romane, die ihre Figuren nicht heroisieren, sondern entlarven. Der Gedanke „Held, Pechvogel, unbekannter Spion?“ ist dabei nicht nur witzig, sondern öffnet sofort den thematischen Raum.
Der Übergang zur zweiten Perspektive ist klug gesetzt. Nach dem klaustrophobischen Sterbemoment öffnet sich die Welt: Rom, Sommerfest, Flaggen, Musik, das Ende des Kalten Krieges. Diese Szene atmet Leichtigkeit, fast Euphorie – und steht damit in starkem Kontrast zur vorherigen Bedrohung. Man spürt förmlich den historischen Umbruch der Neunzigerjahre, diese kurze Phase des Glaubens, dass alles besser, freier, offener geworden ist. Dass ausgerechnet hier ein politischer Roman ansetzt, wirkt sehr bewusst.
Stilistisch ist der Text ausgesprochen souverän: ruhig, detailreich, mit feinem Gespür für Rhythmus und Ironie. Nichts wirkt zufällig, nichts übererklärt. Die Welt wird nicht erklärt, sondern vorausgesetzt – was ich als Leserin sehr schätze. Man merkt: Das hier will kein schneller Thriller sein, sondern ein Roman, der politisch denkt, historisch verankert ist und seine Spannung aus Sprache, Figuren und Kontrasten zieht.
Mein Eindruck nach diesen ersten Seiten: Das ist literarisch ambitioniert, klug gebaut und atmosphärisch stark. Ein Roman, der nicht auf Effekte setzt, sondern auf Vertrauen in seine Leser:innen – und genau deshalb Lust macht, weiterzulesen.
Was mich besonders überzeugt hat, ist die Tonlage: Der Text ist kühl, kontrolliert, beinahe beiläufig, und genau dadurch entfaltet sich die Dramatik. Der mögliche Mord wird nicht spektakulär inszeniert, sondern körperlich und gedanklich erfahrbar gemacht. Die Metapher der Decken auf der Brust, das mühsame Atmen, die seltsam sachliche Selbstbeobachtung – das ist sehr fein gearbeitet. Der Erzähler vertraut darauf, dass die Lesenden die Bedrohung selbst spüren, ohne dass sie benannt werden muss.
Großartig ist auch die innere Stimme Germeshausens: ein Beamter, ein Funktionsträger, jemand, der Kontrolle gewohnt ist – und der selbst im Sterben noch über Grabinschriften, Röntgenschürzen und Hotelbar-Mäppchen nachdenkt. Diese Mischung aus existenzieller Angst und bürokratischer Nüchternheit hat etwas Bitterkomisches und erinnert mich an die große Tradition politischer Romane, die ihre Figuren nicht heroisieren, sondern entlarven. Der Gedanke „Held, Pechvogel, unbekannter Spion?“ ist dabei nicht nur witzig, sondern öffnet sofort den thematischen Raum.
Der Übergang zur zweiten Perspektive ist klug gesetzt. Nach dem klaustrophobischen Sterbemoment öffnet sich die Welt: Rom, Sommerfest, Flaggen, Musik, das Ende des Kalten Krieges. Diese Szene atmet Leichtigkeit, fast Euphorie – und steht damit in starkem Kontrast zur vorherigen Bedrohung. Man spürt förmlich den historischen Umbruch der Neunzigerjahre, diese kurze Phase des Glaubens, dass alles besser, freier, offener geworden ist. Dass ausgerechnet hier ein politischer Roman ansetzt, wirkt sehr bewusst.
Stilistisch ist der Text ausgesprochen souverän: ruhig, detailreich, mit feinem Gespür für Rhythmus und Ironie. Nichts wirkt zufällig, nichts übererklärt. Die Welt wird nicht erklärt, sondern vorausgesetzt – was ich als Leserin sehr schätze. Man merkt: Das hier will kein schneller Thriller sein, sondern ein Roman, der politisch denkt, historisch verankert ist und seine Spannung aus Sprache, Figuren und Kontrasten zieht.
Mein Eindruck nach diesen ersten Seiten: Das ist literarisch ambitioniert, klug gebaut und atmosphärisch stark. Ein Roman, der nicht auf Effekte setzt, sondern auf Vertrauen in seine Leser:innen – und genau deshalb Lust macht, weiterzulesen.