Zeitenwende - Und ich war dabei

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rebekka Avatar

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Der Beginn der neunziger Jahre ist mir noch gut in Erinnerung. Der sowjetische Präsident Gorbatschow wollte Glasnost und Perestroika – also Transparenz und
Reformen – für das russische Volk, und mit einem Mal bestand die Aussicht auf ein neues Zeitalter des Friedens. Was haben wir uns damals nicht alles erhofft: Ende der Feindseligkeiten zwischen Ost und West, Vernichtung aller Atombomben, Reisefreiheit für die Menschen hinter dem Eisernen Vorhang. Nicht alle Leute dachten natürlich so. Viele Militärs und die Spione sahen sich plötzlich arbeitslos werden und beobachteten mit Bangen, was die Politiker da vorhatten.

So scheint es auch dem einen Protagonisten dieses Buches gegangen zu sein. Dieter Germeshausen, ein ehemaliger Doppelagent, muss untertauchen und verlässt sich dabei auf den naiven jungen Dichter Jakob Dreiser, der mit seinen Gedichten gerade Furore macht. Ob er tatsächlich, wie im Prolog angedeutet, von seinem „Rettungsanker“ vergiftet wird? Vielleicht ereilte ihn in Kasachstan ja auch nur ein Herzinfarkt. Kristof Magnusson wird es uns um weiteren Verlauf der Geschichte verraten. Bis es soweit ist, kann der Leser, die Leserin aber schon mal die detailreiche, bildhafte Schreibweise des Autors genießen und eintauchen in eine Zeit, in der alles möglich schien.

Das Cover passt sehr gut zu der Geschichte. Ein Mann, der auf einem Glasrand entlang balanciert wie am Rand eines Abgrunds - genau so muss sich Germeshausen gefühlt haben, als seine Welt zusammenbrach. Ich bin gespannt, ob das Buch hält, was die Leseprobe verspricht.