Aberwitzig

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maehappel Avatar

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Im neuen Roman von Kristof Magnusson ist nichts, wie es scheint. Alles hat mindestens einen doppelten Boden und im literarischen Hinblick einen feinen, oft doppelten Sinn.

Ähnlich wie ein Agent oder Spion muss der Leser sich hier die Informationen zusammensuchen. Denn Informationen zu sammeln und zu verarbeiten sind der tatsächliche Hauptbestandteil von Spionagearbeit. Der junge und gehypte Dichter Jakob Dreiser ist, aufgrund seiner offenen und angenehmen Art, ein Naturtalent im Sammeln von Informationen. Damit wird er zum idealen Sparringspartner von Dieter, Dieter Germeshausen.

Dieter ist ein altgedienter, und wie sich schnell herausstellt ausgedienter, Mitarbeiter des BND. Der Fall des eisernen Vorhangs war für ihn nur eine weiterer Sargnagel in seiner unrühmlichen beruflichen Laufbahn. Er ist weder sympathisch, eloquent, noch ist er anderen gegenüber zugewandt. Und er ist sich dessen sogar bewusst, kann aber nicht raus aus seiner Haut. Trotzdem hat er gegenüber Jakob einen entscheidenden Vorteil. Er hat einen Plan und für dessen Umsetzung kommt Jakob ihm gerade recht.

Das Cover passt hervorragend. Schaut man genau hin, dann sieht man, dass der Mann im Anzug (die Assoziation zum Agenten liegt natürlich nahe) nicht auf dem Glasrand balanciert, sondern auf dem Eiswürfel im Drink. Ob er fällt, oder ob er aus seinem Straucheln heraus noch Halt findet, ist offen.

Der Schreibstil von Kristof Magnusson ist eloquent und flüssig. Der Roman ist eine ausgewogene Mischung aus aberwitzigem Humor und fast schon philosophischer Innenbetrachtung, der einzelnen Protagonisten.

Jemand der eine klassische Agentenstory im Stil von Ian Fleming, erwartet, wird vermutlich enttäuscht sein. Das hier steht vielmehr in der Tradition von Graham Greene. Und mal ehrlich. Wer, wenn nicht Magnusson kann in eines seiner Werke Sätze einbauen wie: "Das ganze Land trägt eine Wassermelone".