Absurder Ritt durch eine Zeit im Umbruch

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gtotter Avatar

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„Sie haben eine völlig falsche Vorstellung von unserer Arbeit. Wir brauchen eigentlich viel mehr Leute wie Sie. Sie reisen viel, beobachten gern Menschen, sitzen stundenlag auf Parkbänken oder in einem Café und machen sich Notizen… Egal ob Sie auf einem Botschaftsempfang oder einer Sexparty sind – niemand wundert sich. Sie können überall sein und mit allen reden – denn Sie sind Dichter. Künstler sind eigentlich perfekt für diesen Job.“

Der Dichter als Spion. Wär hätte das gedacht. Kristof Magnusson hat mit „Die Reise ans Ende der Geschichte“ eine rasante Agentengeschichte geschrieben. Wobei mir eine Genrezuordnung immer noch schwer fällt. Es ist keine Persiflage und für eine Komödie teils zu ernst im Ton. Aber auch keine Tragikomödie. Am ehesten noch eine leicht absurder Abenteuerroman. Ist egal. Ich hatte meinen Spaß als Leser, dem nichts mehr zuwider ist als diese oft auf zu gewollt lustig getrimmten Krimikomödien wie sie zurzeit die Bestsellerlisten führen.

Ich fand auch die Charaktere interessant. Und ihre Motivationen. Auch wenn ich mir als etwas später Geborene den Zeitkolorit der Geschichte nur im Ansatz nachvollziehen kann. Den Drang nach Freiheit. Es wundert nicht, dass Jakob Dreiser ein wenig wie ein aufgekratzter Juppi daherkommt.
Das Buch liest sich gut und man ist schnell damit durch. Die immer abgedrehte werdende Geschichte macht Spaß. Auch die teils langen Gespräche die Jakob führt haben mir Spaß gemacht. Das muss man als Leser aber mögen, da wird viel geredet und immer wieder muss Jakob versuchen Gespräche in Gang zu bringen oder in die gewünschte Richtung zu lenken.

Für mich kein Buch mit langen Nachhall aber tolle Unterhaltung. Wobei die Frage wie es nach dem doch etwas chaotischem Ende mit den Figuren weitergeht mich dann doch noch beschäftigt. Gibt es ein Happy End für Dieter und seiner ungewöhnlichen Flamme? Ist das nun das Ende oder erst der Anfang von Jakobs Agentenlaufbahn? Und wann kommt eigentlich mal ein richtiger Agent, wie man aus James Bond Filmen kennt? Wobei der Umstand, dass die meisten Agenten in dem Buch den Job aus purer Langeweile angefangen haben, wiederum sehr lustig ist.