Agentengeschichte mit Schwächen

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simonef Avatar

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Ich liebe Spionageromane und die ungewöhnliche Figurenkonstellation sowie die zeitliche Verortung kurz nach Ende des Kalten Krieges sprachen mich an: Dieter Germeshausen, ein alternder Spion, der sich in der neuen Zeit seiner Berufsgrundlage beraubt sieht und einen letzten Coup plant, spannt einen jungen gefeierten Dichter für seine Zwecke ein. Während Germeshausen Konversation wenig abgewinnen kann und desillusioniert in die Zukunft schaut, ist der Dichter Jakob Dreiser ein Meister des Small Talks und voller Abenteuerlust und Zuversicht. Ergänzt wird das kuriose Gespann um eine alternde Italienischlehrerin und eine ehemalige Diplomatengattin, die deutlich mehr trinkt, als ihr guttut.

Der prägnante Schreibstil glänzt immer wieder mit feinem, punktgenauem Humor und tollen Dialogen. Mit den Figuren wurde ich allerdings nicht recht warm. Germeshausen wirkt auf mich wenig authentisch, für einen Doppelagenten mit 27 Dienstjahren agiert er geradezu stümperhaft. Jakobs Unbekümmertheit und moralische Bedenkenlosigkeit waren für mich schwer nachvollziehbar, trotz seines jugendlichen Alters. Das passte für mich nicht recht zu einem angeblichen Intellektuellen. Leider machten auf mich auch die weiteren Charaktere einen überzeichneten, wenig glaubwürdigen und eindimensionalen Eindruck. Möglicherweise bin ich mit den falschen Erwartungen an das Buch herangegangen, indem ich mir einen sorgfältig recherchierten und spannenden Spionageroman a la Ben Mayintyre erhofft hatte. Bei Kristof Magnusson scheint der Fokus eher auf einer absurden, teils komischen Abenteuergeschichte zu liegen, weniger auf Authentizität. Damit hätte ich auch durchaus mein Vergnügen haben können, wenn mich letztlich der abrupte Schluss nicht so sehr enttäuscht hätte.

Da ich Kristof Magnussons Stil grundsätzlich mochte, werde ich sicher noch einen weiteren Roman von ihm lesen, aber die „Reise ans Ende der Geschichte“ konnte mich nicht überzeugen.