Beginnt am Ende die Geschichte?

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yaltur Avatar

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Ganz am Ende der Geschichte, also auf der letzten Seite des Romans von Kristof Magnusson begegnet Jakob Dreiser, der gefesselt auf einem Stuhl sitzt, erstmals die Frau im blauen Kostüm mit silberner Brosche. Sie setzt sich ihm gegenüber, "öffnete die Aktenmappe, die komplett leer war, nahm ein Formular aus einer Schublade, das sie in die Akte legte. [...] Dann nahm sie einen Stift, sah Jakob zum ersten Mal an und sagte: ´Herr Dreiser. Ich möchte, dass Sie mir erzählen, wie Sie hier gelandet sind.`" (S. 284)
Erst bei der Lektüre dieser letzten Sätze habe ich wirklich realisiert, dass ich schon am Ende dieses ungewöhnlichen, ereignisreichen Buches angekommen war, und hatte unmittelbar den Impuls, die ganze Geschichte nochmal rückwärts zu lesen, um sie tatsächlich nachvollziehen zu können.
Doch ich habe mich dagegen entschieden. Denn wie schon beim Lesen selbst scheint mir auch im Nachgang nicht der rote Faden das Entscheidende. Die skurilen und zugleich liebenswerten Charaktere, ihre mitunter unbeholfenen und häufig kuriosen Begegnungen sowie die mal wirklich spannenden mal grotesk-komischen Situationen, die sich daraus ergeben, machen das Buch zu einem empfehlenswerten Lesevergnügen. Und nebenbei bekommt man auch noch die eine oder andere Anregung, die eigenen Kenntnisse der jüngeren Geschichte zu reflektieren.