Die Sprache des Friedens

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owenmeany Avatar

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Oberflächlich nimmt man dieses Buch als einen Agentenroman wahr, aber nach Abschluss der Lektüre kann ich es nicht mehr so gut einordnen - eher glaube ich, dass Magnusson eine Persiflage auf einen solchen geschrieben hat.

Amüsant zu lesen ist es allemal, ganz flott habe ich die 300 Seiten hinter mich gebracht und hatte viel Spaß dabei, besonders bei den ironischen Seitenhieben, die die damaligen Zukunftsvisionen nach dem Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs nachträglich fast zynisch erscheinen lassen ("... das Ressentiment wäre bald ausgestorben, es wuchsen gute junge Leute nach, die Perspektiven hatten im Leben ..." S. 155).

Nur einer begrüßt diese Entwicklungen gar nicht: der verkrachte Altspion Germeshausen, dem damit eine Existenzgrundlage flöten ging, der aber gerade neue Perspektiven entwickelt im Blick auf das Geheimdienst-Naturtalent Jakob Dreiser, dem kommunikativ hochbegabten Dichter. Die internationalen Verwicklungen bettet der Autor ein in private Schicksale, doch die Personen und Handlungsstränge sind überschaubarer als z.B. bei LeCarré. Dafür liegt über allem ein Firnis von Ironie, filmreif sind die Kabinettstückchen schon am Beginn mit dem Giftanschlag. Dass mehrmals vermögende Damen wie ein Deus ex machina den Handlungslauf lenken: geschenkt.

Am Ende hat sich mir jedoch der Sinn und Zweck des Ganzen nicht so richtig erschlossen, deshalb hat sich ein etwas schales Gefühl des Vergnügens in mir ausgebreitet.