Die Welt der Spionage mit ihren Verlockungen
Spannender, amüsanter, skurriler Spionageroman mit klugen Gedanken und enttäuschendem Ende, das zu viel offen lässt
1995, Almaty/ Kasachstan - es fängt mit einem Paukenschlag an: Dieter Germeshausen, 27 Dienstjahre als Bundesbeamter, in Wirklichkeit Doppelagent, fühlt sich vergiftet und schildert das aus seiner Sicht in beklemmenden Worten, ihm gegenüber der junge erfolgreiche Dichter Jakob Dreiser, ‘der nie tat, was man ihm sagte‘, (9), den er nicht unter Kontrolle hat … Wir wissen also, WAS passiert ist, aber nicht WIE und WARUM und vor allem nicht WER und auch nicht, wie es ausgeht. Das macht das folgende Lesen richtig spannend.
Krasser Szenenwechsel: vom ärmlichen, kalten Kasachstan nach Rom auf das Sommerfest der Botschaft der Russischen Föderation, einst ein streng abgeschirmter Bereich, jetzt ein Hort der Gastfreundschaft, so scheint es jedenfalls. Geschickt nutzt der Autor diese Kulisse, um uns hinter die Fassade der Oberflächlichkeit und des Smalltalks gucken zu lassen und uns die handelnden Personen vorzustellen. Das und die weitere Handlung werden in lesefreundlichen kurzen Kapiteln mit informativen Überschriften zu Ort und Person erzählt.
Wir treffen in Rom wieder auf Dieter Germeshausen, den wortkargen, menschenscheuen Spion, ein eingefleischter Pessimist oder vielleicht auch Realist. Hat er früher Überläufern eine neue Identität verschafft, gibt er heute nur noch seine Beobachtungen an den BND weiter, fühlt sich somit auf dem Abstellgleis. Wegen dieser mangelnden Wertschätzung und weil er sich übergangen fühlt, gibt er Informationen an den KGB weiter, ist also zum Doppelagent geworden.
Doch nun hat sich die politische Lage grundlegend verändert, der Kalte Krieg ist vorbei, der eiserne Vorhang weg und alle hoffen auf dauerhaften Frieden. Germeshausen schätzt die Situation jedoch anders ein:
‘Die Russen werden sich daran erinnern, wie sie vom Westen gedemütigt werden’ - ‘Die hören nicht auf, uns zu hassen.’ (34).
Zudem fürchtet er nun Enttarnung und Verhaftung, weshalb er einen Plan gefasst hat, für den er allerdings sehr viel Geld braucht. Und hier kommt der Sunnyboy Jakob Dreiser ins Spiel, den Germeshausen schon seit einiger Zeit beobachtet, weil er ihm nützlich sein kann. Er ist ein erfolgreicher junger Dichter mit besten kommunikativen Fähigkeiten, etwas naiv wirkend.
Germeshausen gibt ihm eine Probeaufgabe, woran Dreiser großen Gefallen findet und die seinem nun plötzlich als langweilig empfundenen Leben ‘etwas Mysteriöses, Diabolisches’ gibt. ‘Er war jetzt Spion.' (65)
Auch zwei Frauen spielen eine noch undurchsichtige Rolle: die oft betrunkene Botschaftergattin Dominique Fishbowl, die zu Germeshausen gezogen ist und die alles von ihm weiß, sowie Francesca Aquatone, die Italienisch an der russischen Botschaft unterrichtet, aber ebenfalls Agentin ist.
Ortswechsel. Wir verlassen Rom und fliegen nach Almaty/Kasachstan, wo Germeshausen seinen Plan mit Hilfe von Dreiser weiter verfolgen will. War es bis jetzt spannend, schleichen sich nun ein paar Längen ein. Es gibt zwar interessante Gedanken, die sich aber als unwichtig für den Fortgang der Geschichte erweisen. Zudem wird es zunehmend skurril, abgehoben und unglaubwürdig. DAS soll aber nicht verraten werden, um nicht die Spannung aus der Geschichte zu nehmen.
Es geschehen einige rätselhafte Dinge; die Lage eskaliert und die Frage ist, wie es mit den Personen weiter geht. Wird Germeshausen sein Ziel erreichen? Wird Dreiser ein erfolgreicher Agent werden? Was ist mit den beiden Frauen?
Leider werden zum Ende hin zu viele Fragen nicht beantwortet, zu vieles läuft ins Leere, nicht alle Fäden werden zusammengeführt. Es dürfen Fragen offen bleiben, aber nicht so viele wie hier. Das Ende erscheint mir zu abrupt, für mich unbefriedigend und unrund. Mag sein, dass es im Geheimdienstleben so ist, aber dies ist ein Roman und der erfordert einen schlüssigen Plot und einen roten Faden. Und das sehe ich hier leider nicht.
Fazit
Dieses in meinen Augen mangelhafte Ende hat die positiven Aspekte abgeschwächt, die zum Teil originelle Sprache, die eingestreuten klugen Gedanken z.B. zu Gedichten. Wen aber ein derart offenes Ende nicht stört, der wird an diesem Unterhaltungsroman aus dem Spionagemilieu Gefallen finden können.
1995, Almaty/ Kasachstan - es fängt mit einem Paukenschlag an: Dieter Germeshausen, 27 Dienstjahre als Bundesbeamter, in Wirklichkeit Doppelagent, fühlt sich vergiftet und schildert das aus seiner Sicht in beklemmenden Worten, ihm gegenüber der junge erfolgreiche Dichter Jakob Dreiser, ‘der nie tat, was man ihm sagte‘, (9), den er nicht unter Kontrolle hat … Wir wissen also, WAS passiert ist, aber nicht WIE und WARUM und vor allem nicht WER und auch nicht, wie es ausgeht. Das macht das folgende Lesen richtig spannend.
Krasser Szenenwechsel: vom ärmlichen, kalten Kasachstan nach Rom auf das Sommerfest der Botschaft der Russischen Föderation, einst ein streng abgeschirmter Bereich, jetzt ein Hort der Gastfreundschaft, so scheint es jedenfalls. Geschickt nutzt der Autor diese Kulisse, um uns hinter die Fassade der Oberflächlichkeit und des Smalltalks gucken zu lassen und uns die handelnden Personen vorzustellen. Das und die weitere Handlung werden in lesefreundlichen kurzen Kapiteln mit informativen Überschriften zu Ort und Person erzählt.
Wir treffen in Rom wieder auf Dieter Germeshausen, den wortkargen, menschenscheuen Spion, ein eingefleischter Pessimist oder vielleicht auch Realist. Hat er früher Überläufern eine neue Identität verschafft, gibt er heute nur noch seine Beobachtungen an den BND weiter, fühlt sich somit auf dem Abstellgleis. Wegen dieser mangelnden Wertschätzung und weil er sich übergangen fühlt, gibt er Informationen an den KGB weiter, ist also zum Doppelagent geworden.
Doch nun hat sich die politische Lage grundlegend verändert, der Kalte Krieg ist vorbei, der eiserne Vorhang weg und alle hoffen auf dauerhaften Frieden. Germeshausen schätzt die Situation jedoch anders ein:
‘Die Russen werden sich daran erinnern, wie sie vom Westen gedemütigt werden’ - ‘Die hören nicht auf, uns zu hassen.’ (34).
Zudem fürchtet er nun Enttarnung und Verhaftung, weshalb er einen Plan gefasst hat, für den er allerdings sehr viel Geld braucht. Und hier kommt der Sunnyboy Jakob Dreiser ins Spiel, den Germeshausen schon seit einiger Zeit beobachtet, weil er ihm nützlich sein kann. Er ist ein erfolgreicher junger Dichter mit besten kommunikativen Fähigkeiten, etwas naiv wirkend.
Germeshausen gibt ihm eine Probeaufgabe, woran Dreiser großen Gefallen findet und die seinem nun plötzlich als langweilig empfundenen Leben ‘etwas Mysteriöses, Diabolisches’ gibt. ‘Er war jetzt Spion.' (65)
Auch zwei Frauen spielen eine noch undurchsichtige Rolle: die oft betrunkene Botschaftergattin Dominique Fishbowl, die zu Germeshausen gezogen ist und die alles von ihm weiß, sowie Francesca Aquatone, die Italienisch an der russischen Botschaft unterrichtet, aber ebenfalls Agentin ist.
Ortswechsel. Wir verlassen Rom und fliegen nach Almaty/Kasachstan, wo Germeshausen seinen Plan mit Hilfe von Dreiser weiter verfolgen will. War es bis jetzt spannend, schleichen sich nun ein paar Längen ein. Es gibt zwar interessante Gedanken, die sich aber als unwichtig für den Fortgang der Geschichte erweisen. Zudem wird es zunehmend skurril, abgehoben und unglaubwürdig. DAS soll aber nicht verraten werden, um nicht die Spannung aus der Geschichte zu nehmen.
Es geschehen einige rätselhafte Dinge; die Lage eskaliert und die Frage ist, wie es mit den Personen weiter geht. Wird Germeshausen sein Ziel erreichen? Wird Dreiser ein erfolgreicher Agent werden? Was ist mit den beiden Frauen?
Leider werden zum Ende hin zu viele Fragen nicht beantwortet, zu vieles läuft ins Leere, nicht alle Fäden werden zusammengeführt. Es dürfen Fragen offen bleiben, aber nicht so viele wie hier. Das Ende erscheint mir zu abrupt, für mich unbefriedigend und unrund. Mag sein, dass es im Geheimdienstleben so ist, aber dies ist ein Roman und der erfordert einen schlüssigen Plot und einen roten Faden. Und das sehe ich hier leider nicht.
Fazit
Dieses in meinen Augen mangelhafte Ende hat die positiven Aspekte abgeschwächt, die zum Teil originelle Sprache, die eingestreuten klugen Gedanken z.B. zu Gedichten. Wen aber ein derart offenes Ende nicht stört, der wird an diesem Unterhaltungsroman aus dem Spionagemilieu Gefallen finden können.