eine Parodie auf Agententhriller, die jedoch den Zeitgeist gut einfängt

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ingri Avatar

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In den 90igern steht die Welt der Spione vor einem Umbruch – der Eiserne Vorhang ist gefallen, und die Situation und Zukunftsmöglichkeiten ändern sich für viele Leute. Was macht Dieter Germeshausen, ein bisheriger Doppelagent für den BND und Russland nun? Er muss sich Geld beschaffen und möchte sich damit zur Ruhe setzen. Als Unterstützer dafür wirbt er Jacob Dreiser, einen jungen Dichter an. Denn dieser soll als junger, international gefeierter Dichter seine Tarnung sein.

Ein Buch, dass in der Zeit einer der größten Umbrüche spielt – der Eiserne Vorhang ist gefallen. Es bieten sich so viele Möglichkeiten und Chancen an, gleichzeitig fehlt aber auch der bisherige Halt und die Orientierungspunkte. Durch große Euphorie und gleichzeitige Unsicherheit ist die Zeit gekennzeichnet, was in diesem Werk gezeigt wird. Gut transportiert wird dies durch den jungen Dichter und den ehemaligen Doppelagenten. Ein junges Talent, dem nun alle Türen offen zu stehen scheinen, aber dennoch irgendwie durch die Situation stolpert ohne Halt zu verspüren. Und ein ehemalgier Doppelagent, der nunmehr keinen Beruf bzw. keine Rolle mehr hat, da sich die Situation verändert hat. Exemplarisch kann man beide für die jeweiligen Generationen bzw. Berufe in der realen Geschichte betrachten.

Durch einen lockeren Schreibstil in den Bann gezogen, folgt man nun vor allem dem jungen Dichter und weniger dem ehemaligen Doppelagenten in so manche abstruse Situation. Es wird Fiktion mit realer Zeitgeschichte verknüpft. Der klassische Agententhriller wird hierbei auf die Schaufel genommen, aber sehr intelligent und mit feiner sprachlicher Klinge. Man stolpert mit dem Dichter durch diverse Orte wie Rom, Kasachstan, St. Petersburg und handelt mit so ziemlich jedem militärischen Gerät. Manche Frage der Geschichte und das Ende bleibt doch eher offen, jedoch wünscht man dem doch sehr sympathischen Protagonisten, dass es für ihn ein gutes Ende nehmen möge.

Ein kurzweiliger Roman, der eher als Parodie auf klassische Agententhriller zu verstehen ist. Gleichzeitig schafft er es allerdings wunderbar das damalige Zeitgefühl einzufangen, indem er es den Leser durch die Figurenerfahren lässt.