Eine rasante und intelligente Agentensatire

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druckdeufel Avatar

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Doppelagent Dieter Germeshausen trauert der Zeit des kalten Krieges hinterher: Bedingt durch die Auflösung der Sowjetunion und das dadurch bedingte Ende des kalten Krieges gehen ihm die Aufträge aus. Doch einen großen Coup will er noch landen. Dabei soll ihm ausgerechnet der junge, erfolgreiche Dichter Jakob Dreiser mit seinem Charme zur Seite stehen, allerdings zeigt der sich in seiner Unbedarftheit wenig berechenbar.
Kristof Magnussons Roman ist verspielt, verschachtelt, voller aberwitziger Wendungen. Nichts läuft wie erwartet, hinter jeder Ecke lauert eine Überraschung. Die Anzahl der Personen ist zum Glück überschaubar, sonst wäre die Verwirrung vollständig.
Nichts darf hier ernst genommen werden. Oder vielleicht doch? Die Macht des Zufalls, menschliche Schwächen, persönliche Interessen - sind das nicht oft genug Faktoren, die wider alle Vernunft und in abstrus mächtiger Weise große Dinge ins Rollen bringen?
Großes Vergnügen bereitet beim Lesen der Humor, der sich durch jede Zeile, jede Situation zieht. Meistens leise, manchmal slapstickartig, immer satirisch.
Trotz aller Überspitzung und Absurdität wächst mit dem Fortgang der Handlung die Gewissheit, dass die Weltbühne keine Sicherheit bietet dafür, dass Dinge glimpflich ausgehen. Auch dann nicht, wenn die Menschen, die beteiligt sind, weder wichtig noch böse sind. Selbst dann nicht, wenn das Geschehen mit viel Augenzwinkern berichtet wird. Anstatt dessen haben wir: den Balanceakt auf dem Negroniglas vom Cover.
Rasant ergeben sich immer neue Situationen, als Leser hat man einerseits stets einen leichten Informationsvorteil, weil die Kapitel sich stets auf eine der Figuren beziehen, andererseits steigert sich mit dem Tempo bis zum Schluss auch das Chaos. Da den Durchblick zu behalten ist keineswegs einfach. Und ob man nun mit dem Ende zurecht kommt oder nicht: Man wird Jakob, Dieter und die anderen vermissen und sicher noch häufig an sie denken.