Gelungener Spionageroman

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silversreadleigh Avatar

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Das Buch "Die Reise ans Ende der Geschichte" hat mich überraschend schnell abgeholt, obwohl ich eigentlich keinen klassischen Spionageroman erwartet oder gebraucht hätte. Genau das ist aber auch der Punkt. Dieses Buch ist vieles, nur nicht klassisch. Spionage war nie so optimistisch. Schon das Cover passt gut zum Inhalt: Es wirkt nostalgisch mit der Person, die auf dem Whiskey tanzt, ohne verstaubt zu sein, und spiegelt die Zeit des Umbruchs wider, in der die Geschichte spielt. Anfang der 1990er, kurz nach Ende des kalten Krieges scheint plötzlich alles möglich. Politisch wie persönlich. Diese Aufbruchstimmung fängt der Roman gut ein und zieht sich durch das gesamte Buch, wodurch sie eine spannende Grundlage für die Handlung bildet. Besonders gefallen haben mir auch die Charaktere, die manchmal etwas schräg oder überzeichnet waren, aber genau dadurch sehr lebendig wirkten. Der Kontrast zwischen dem unscheinbaren Doppelagenten und dem jungen Dichter funktioniert grandios und sorgt für viele humorvolle als auch nachdenkliche Momente, wobei niemand eindeutig als Held oder Antiheld herausgestellt wird. Magnussons Schreibstil ist klar, humorvoll und sehr gut lesbar. Viele Szenen leben von den Dialogen und absurden Situationen, aber auch von tiefen Fragen nach Sinn, Identität und Unsicherheit einer gesamten Generation, die dachte, jetzt würde alles besser werden. Der Roman nimmt sich selbst nicht allzu ernst, aber seine Themen dafür umso mehr. Gerade diese Balance ist wunderbar.