Heist-Story mit viel Atmosphäre

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Diese Reise ist zwar kein vor Action strotzender Thriller, aber dennoch eine Geschichte, die mich gut unterhalten und vor allem in eine Vergangenheit mitgenommen hat, über die ich nicht sehr viel wusste. Über die Zeit der Weltkriege und das geteilte Deutschland habe ich in der Schule noch viel gelernt, aber was danach gesellschaftspolitisch abging, war mir bisher nicht klar (da ich erst 1994 geboren bin).
Magnusson schafft mit seinem Spionageroman eine ganz besondere Atmosphäre innerhalb dieser Zeit des Umbruchs und vermeintlichen Friedens, eine Mischung zwischen locker-komisch und ernst. Die Umgebung, vor allem Rom und Almaty, konnte ich mir durch die Beschreibungen (die sehr geschmeidig in die Geschichte einflossen und nicht zu blumig waren) sehr gut vorstellen, ohne jemals dort gewesen zu sein.
Durch die erste Hälfte des Buches bin ich geradezu geflogen, obwohl es jetzt kein klassischer Pageturner war, aber die Geschichte fühlte sich einfach rund an. Das retardierende Moment hat mich leider etwas rausgebracht und mir hat im letzten Drittel etwas der Fahrtwind gefehlt. Das Ende kam dann auch sehr abrupt und sehr, sehr offen. Als Film hätte das wahrscheinlich durch einige Bildgewalt besser funktioniert - als Buch lässt es mich etwas enttäuscht zurück. Obwohl ich mir denken kann, wie es schlussendlich gemeint war.
Die Charaktere fand ich ausnahmslos alle richtig gut gemacht. Niemand wirkte unauthentisch oder karikiert, niemandes Fehler wirkten nach hinzugedichteter Unzulänglichkeit, um die positiven Seiten auszugleichen. Nein, ihre Unzulänglichkeiten waren durchaus echt unzulänglich und auch notwendig für das Geschehen.
Insgesamt hat das Buch mein Lesejahr auf jeden Fall schon bereichert, vor allem im Hinblick auf ungewöhnliche, neue und historisch interessante Settings bzw. Kontexte. Mir fielen auf Anhieb mehrere Leute ein, denen ich das Buch weiterempfehlen werde.