Kein Vergnügen

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Kristof Magnusson - Die Reise ans Ende der Geschichte

Wir befinden uns in den 80er Jahren, die Sowjetunion ist zerfallen, Ost gegen West soll neu definiert werden, alles scheint möglich. Der Dichter Jakob Dreiser wird vom alternden Doppelagenten Dieter Germeshausen eingespannt, um Informationen einzuholen und Millionengeschäfte im Osten abzuwickeln. Warum sich ein Dichter für diese Tätigkeit eignet? Diese sind per se charmant, wortgewandt, gute Beobachter und Menschenkenner. Fortan wird eine Geschichte zwischen Rom, Kasachstan, Bad Godesberg und Sankt Petersburg gesponnen, bei der es schlussendlich um nicht weniger als den Verkauf eines Atomsprengkopfes geht.
Um es vorwegzunehmen: Der Roman hat mich wenig begeistert. Die Figuren sind zu flach, bei mir entstand keinerlei Bindung, meinetwegen hätten sie auch alle gemeinsam in der Tundra eine WG gründen können und gut ist. Die weiblichen Figuren haben divenhafte Namen wie Dominique Fishbowl oder Francesca Aquatone, alle ohne Charakter oder Vorgeschichte. Von den Reisezielen erfährt man nicht viel, dafür wird ausgiebig über Frühstück und technische Details diverser Gerätschaften berichtet. Die von mir erhoffte 80er-Stimmung kommt leider gar nicht auf. Im letzten Drittel war ich kurz davor aufzugeben, redete mir aber ein, dass noch spektakuläre Wendungen kommen müssten. Nein, die Geschichte versandet tatsächlich in der Belanglosigkeit.
Berühmte Stimmen wie Wahl, Bogdan oder Stanišić preisen "Die Reise ans Ende der Geschichte" als klug, witzig, mit Liebe zu Figuren und als fantastische Zeit. Davon habe ich wenig empfunden.