Skurriler Agentenroman

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irismaria Avatar

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Kristof Magnusson erzählt eine ebenso skurrile wie kluge Geschichte, die den Zeitgeist der frühen Nachwendejahre sehr treffend einfängt. Es ist eine Zeit, in der nach dem Ende des Kalten Krieges alles möglich scheint – und zugleich vieles orientierungslos, überdreht und tragikomisch aus dem Ruder läuft. Genau aus dieser Spannung schöpft der Roman seine besondere Atmosphäre.
Im Mittelpunkt steht ein junger Dichter, eine ausgesprochen sympathische Hauptfigur, die mit Neugier und einer gewissen Naivität durch diese neue, offene Welt stolpert. Zusammen mit einem Doppelagenten und einer Italienischlehrerin entsteht ein absurdes Geflecht aus großen Hoffnungen, Täuschungen und Plänen, die an der Realität scheitern. Magnusson erzählt das leichtfüßig, humorvoll und mit feinem Gespür für menschliche Schwächen.
Besonders gelungen ist der Blick auf eine Generation, die plötzlich Freiheit hatte, ohne zu wissen, was sie mit ihr anfangen sollte. Tragik und Komik liegen dabei dicht beieinander, persönliche Sehnsüchte treffen auf politische Umbrüche – oft schräg, manchmal berührend, immer klug beobachtet.
Wer einen hochspannenden Thriller erwartet, wird mit diesem Buch allerdings nicht glücklich werden. Die Reise ans Ende der Geschichte lebt nicht von Nervenkitzel, sondern von Atmosphäre, Figuren und Zeitkolorit. Für Leserinnen und Leser, die Freude an skurrilen Geschichten, leisem Humor und einem literarischen Blick auf die Nachwendezeit haben, ist dieser Roman jedoch eine sehr lohnende Lektüre.