Vergnüglicher Start, unbefriedigendes Ende

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marie aus e Avatar

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La Dolce Vita in Rom. Es ist Anfang der 90er Jahre und der Kalte Krieg ist Geschichte. Die russische Botschaft in Rom feiert ihr Gartenfest und alle sind da.
Auch Dieter Germeshausen, Agent und gar nicht amused vom plötzlichen Frieden zwischen den Supermächten, da er nun Angst vor Enttarnung hat. Auch Jakob Dreiser feiert mit, ein junger Dichter, der es schon zur Berühmtheit in der Literaturszene gebracht hat.

Das Buch startet aber nicht nur mit Feierlichkeiten, sondern auch gleich dramatisch.
Dann lernt man die verschiedenen Charaktere kennen und das war sehr vergnüglich. Spion oder Spionin zu sein ist ganz normal und niemand macht sich groß eine Kopf.
Ich mochte das Buch über weite Strecken wegen seiner Absurdität und der so herrlich gezeichneten Charaktere. Auch Nebenhandlungen werden so lebendig und humorvoll geschildert, dass das Lesen Spaß machte. Ein Highlight war eine Lesung in einem Goethe-Institut, eine anderes ein Sauna-Besuch.
Geschichten erzählen kann der Autor!

Gleichzeitig ist es aber auch beklemmend, denn während sich in der Buchhandlung alle in friedlicher Zeit wähnen, wissen wir es 2026 leider besser, so dass ich beim Lesen das "Little did we know-Gefühl" hatte.

Die Handlung nimmt dann aber immer absurdere Züge an. Es war irgendwann schon ziemlich abgefahren und gegen Ende hin auch eher zäh als spaßig. Das ging dann leider so weit, dass ich keine Lust mehr auf das Weiterlesen hatte, ich habe mich aber irgendwann doch aufgerafft.

Am Schluss saß ich mit großen Fragezeichen da und dachte mir - ist plötzlich das Papier ausgegangen? Schön und gut, dass man sich etwas für Fortsetzungen aufheben will, aber so kann man ein Buch nicht beenden. Jedenfalls nicht, wenn man mich für Folgebände begeistern will.