Ambitioniert
“Heimat ist ein Wort, das ihr nicht über die Lippen kommt, aber in den Knochen steckt es ihr schon.”
3.5 ★
Auf den ersten Blick schien dieser Roman perfekt auf mich zugeschnitten: angefangen bei dem bezaubernden Cover über die bewusst literarische, ausschweifende Sprache bis hin zu der auf drei Frauen fokussierten Geschichte vor atmosphärischer Kulisse.
Entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Und im Grunde wurden sie auch erfüllt. Der Roman hält, was er verspricht, und hat meinen persönlichen Geschmack dennoch verfehlt.
Die Sprache ist poetisch, doch zunehmend entstand der Eindruck, dass die Sätze zu sorgfältig gearbeitet und gesetzt wurden. Weil jeder Absatz so viel will, so bemüht ist, bleibt wenig Raum für den Text Wirkung zu entfalten oder Zwischentöne zuzulassen. Ein höchst subjektives Empfinden natürlich, aber für mich laß sich der Roman dadurch oft wenig natürlich und auf Dauer ehr ermüdend.
Auch mit den Figuren habe ich teilweise gehadert. Die Geschichte der Großmutter Liese, die den Roman eröffnet, war berührend. Ihre Unfreiheit, ihr unerschütterlicher Wille und stiller Mut werden eindrücklich erlebbar gemacht. Die später hinzutretenden Perspektiven von Cora und Eva blieben für mich hingegen auf Distanz. Ihre Selbstreflexionen und Umgang mit Beziehungen und Herkunft erschienen mir zu verklärt und auf ein klares narratives Ziel hin ausgerichtet. Ihre dazu teils selbstgerechten Haltungen machten sie für mich zunehmend unsympathisch und anstrengend zu lesen.
Am Ende ist es ein Roman mit großer sprachlicher Ambition und klarer thematischer Setzung, der mich dennoch emotional ehr ermüdet als berührt hat. Vieles ist fein beobachtet und sorgfältig komponiert, doch in seinem starken Willen zur Bedeutung ließ der Text mir zu wenig Freiheit.
Leser:innen, die eine stark komponierte, sprachlich dichte Erzählweise schätzen und sich gerne von klar gesetzten Gedanken und Themen führen lassen, werden in diesem Roman jedoch vieles finden, das überzeugt.
3.5 ★
Auf den ersten Blick schien dieser Roman perfekt auf mich zugeschnitten: angefangen bei dem bezaubernden Cover über die bewusst literarische, ausschweifende Sprache bis hin zu der auf drei Frauen fokussierten Geschichte vor atmosphärischer Kulisse.
Entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Und im Grunde wurden sie auch erfüllt. Der Roman hält, was er verspricht, und hat meinen persönlichen Geschmack dennoch verfehlt.
Die Sprache ist poetisch, doch zunehmend entstand der Eindruck, dass die Sätze zu sorgfältig gearbeitet und gesetzt wurden. Weil jeder Absatz so viel will, so bemüht ist, bleibt wenig Raum für den Text Wirkung zu entfalten oder Zwischentöne zuzulassen. Ein höchst subjektives Empfinden natürlich, aber für mich laß sich der Roman dadurch oft wenig natürlich und auf Dauer ehr ermüdend.
Auch mit den Figuren habe ich teilweise gehadert. Die Geschichte der Großmutter Liese, die den Roman eröffnet, war berührend. Ihre Unfreiheit, ihr unerschütterlicher Wille und stiller Mut werden eindrücklich erlebbar gemacht. Die später hinzutretenden Perspektiven von Cora und Eva blieben für mich hingegen auf Distanz. Ihre Selbstreflexionen und Umgang mit Beziehungen und Herkunft erschienen mir zu verklärt und auf ein klares narratives Ziel hin ausgerichtet. Ihre dazu teils selbstgerechten Haltungen machten sie für mich zunehmend unsympathisch und anstrengend zu lesen.
Am Ende ist es ein Roman mit großer sprachlicher Ambition und klarer thematischer Setzung, der mich dennoch emotional ehr ermüdet als berührt hat. Vieles ist fein beobachtet und sorgfältig komponiert, doch in seinem starken Willen zur Bedeutung ließ der Text mir zu wenig Freiheit.
Leser:innen, die eine stark komponierte, sprachlich dichte Erzählweise schätzen und sich gerne von klar gesetzten Gedanken und Themen führen lassen, werden in diesem Roman jedoch vieles finden, das überzeugt.