Drei Frauen am Rand der Gemeinschaft
Es beginnt mit Liese, die - weil man eben auf dem Dorf in den sechziger Jahren verheiratet sein muss - den Bernhard nimmt, Metzger im Familienbetrieb der Eltern in einem Dorf im Schwarzwald. Liese wird nicht glücklich mit ihm, gleichgültig und wortkarg wie ihr Ehemann sich gibt. Der kostbarste Schatz ihrer Ehe wird Cora, Lieses Tochter, das einzige Kind, das Liese so gern vor dem Außenseiterdasein beschützen möchte, dass sie selbst führt: Rothaarig und hager, groß und knochig, eher nicht dem Schönheitsideal der sechziger Jahre entsprechend hat Liese nicht allzu viele Freunde. Doch auch ihre Tochter Cora wird es schwer haben - nicht viel anders als Eva, Lieses Enkelin. Nur, dass Eva sich entschließt, zu gehen und der Heimat den Rücken zuzukehren.
Das Debüt der Autorin Hannah Häffner ist sprachlich gelungen. Mit Metaphern und viel Poesie gelingt es ihr, den Wald selbst zur Hauptfigur zu machen, das Dorf und seinen böswilligen Tratsch lebendig werden zu lassen. Die Geschichte selbst hatte für mich hier und da kleine Längen und Lücken: in den sechziger Jahren als Frau ohne Ausbildung eine Metzgerei zu übernehmen, ging das überhaupt? Dazu wäre zumindest eine Erklärung nötig gewesen, finde ich. Trotz der Schwächen eine lesenswerte Geschichte, die vor allem Fans von Carmen Korn mögen werden.