Drei Generationen, ein Ort und die Frage nach dem eigenen Weg

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Ich bin ohne große Erwartungen an Die Riesinnen herangegangen und wollte mich einfach auf die Geschichte einlassen. Genau das hat für mich sehr gut funktioniert, denn das Buch hat mich leise, aber nachhaltig beeindruckt.

Erzählt wird die Geschichte von drei Frauen aus drei Generationen. Liese, ihre Tochter Cora und Enkelin Eva wachsen im fiktiven Schwarzwalddorf Wittenmoos auf, einem Ort, der zugleich Heimat und Begrenzung ist. Jede von ihnen trägt den Wunsch in sich, wegzugehen, frei zu sein, ein anderes Leben zu führen und doch bleibt jede auf ihre eigene Weise mit diesem Ort verbunden. Die Lebenswege der drei Frauen sind unterschiedlich, aber eng miteinander verwoben, geprägt von gesellschaftlichen Erwartungen, familiären Bindungen und dem Versuch, den eigenen Platz zu finden.

Besonders gelungen fand ich die Darstellung von Liese, deren Geschichte in den 60er-Jahren beginnt. Ihre Ehe, die Enge des Dorflebens und die fehlenden Alternativen machen spürbar, wie sehr sie sich arrangieren muss, um zu überleben. Auch Cora und Eva stehen vor eigenen Konflikten, die zwar moderner wirken, aber ebenso tief gehen. Das Buch zeigt sehr eindrücklich, dass sich Zeiten ändern, innere Kämpfe aber oft bleiben.

Der Schreibstil ist ruhig, stellenweise poetisch und sehr atmosphärisch. Wittenmoos und der Schwarzwald werden nicht nur als Kulisse beschrieben, sondern fast wie ein eigener Charakter behandelt. Der Wald, die Natur und die dörflichen Strukturen spiegeln die Gefühle der Figuren wider und geben der Geschichte eine besondere Tiefe. Trotz der ruhigen Erzählweise hatte das Buch für mich eine starke emotionale Wirkung.

Nicht jede Entwicklung konnte mich vollständig überzeugen und an manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Tempo gewünscht. Dennoch überwiegt für mich ganz klar der Eindruck einer berührenden, klugen Geschichte über Frauen, Generationen und das Spannungsfeld zwischen Gehen und Bleiben.

Die Riesinnen ist ein stilles, nachdenkliches Buch, das lange nachhallt und seine Stärke aus den Figuren und der Atmosphäre zieht. Für mich ein sehr gelungenes Leseerlebnis.