Ein wahrer Sog

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mike nelson Avatar

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Ein wahrer Sog. Es zieht einen förmlich hinein in die Geschichte - von der ersten bis zur letzten Seite. Hannah Häffner ist mit ihrem aktuellen Roman "Die Riesinnen" weit mehr gelungen, als nur eine Generationenporträt im ländlichen Raum. Mit ihren drei Protagonistinnen Liese, der Tochter Cora und Enkelin Eva stellt sie Fragen, sucht nach Antworten, beschreibt sie kontextbezogene (Zeit, ländlicher Raum / Heimat versus große, weite Welt) innere und äußere Konflikte, erzählt über die Herausforderungen des Lebens der unterschiedlichen Generationen und im Allgemeinen und schließlich die ganz besonderen Anforderungen an weibliche Identitäten. Liese verliert recht früh durch einen Unfall ihren (lieblosen) Mann und ist gezwungen, sich aus ihrer abhängigen Rolle zu befreien, die Chefin in der Metzgerei des Mannes zu werden, sich gegen das Gerede im Dorf durchzusetzen und sich den notwendigen Respekt in einer männlich dominierten Arbeitswelt zu verschaffen; und ganz nebenbei trägt sie noch Verantwortung für Tochter Cora. Die wiederum leidet zunächst unter der Enge des Dörflichen, verschafft sich über ihr Anderssein einen gewissen Respekt, ist zwar eine gute Schülerin, der wegen ihrer sehr guten Noten die (berufliche) Welt offen stünde, zieht es aber vor, zunächst einmal per Interrail eine Tour durch Europa zu machen und wird schwanger, was sie zur Rückkehr in die Heimat veranlasst, um dort dann Tochter Eva zur Welt zu bringen. Der Autorin gelingt es äußerst gut, nahezu übergangslos drei Lebensgeschichten zu einem großen Ganzen zu vereinen, drei Lebensperspektiven hervorzuheben und über gemeinsame Themen miteinander zu verbinden - Partnerschaft, Suche, Heimat, Familie, Identität, Angst und Zuversicht. Ein bewegendes Leseerlebnis.