Eindringlich und poetisch

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proeschi1971 Avatar

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Die Riesinnen von Hannah Häffner ist ein Roman, der mich durch seine tiefe Atmosphäre, seine starken Figuren und seine große thematische Breite nachhaltig beeindruckt hat. Im Zentrum steht die Geschichte von drei Frauen aus drei Generationen, Liese, ihrer Tochter Cora und deren Tochter Eva, die alle im kleinen Schwarzwald‑Dorf Wittenmoos leben, als “Riesinnen” gelten und sich ihren Weg im Leben erkämpfen müssen. Diese drei sind groß, ungewöhnlich und passen nicht richtig in ihre Dorfgemeinschaft, was schon im Bild der Figur oben deutlich wird: „Mager ist sie, wie ein Kleiderhaken… niemand ist größer … und sie hasst es“, dieser Anfangssatz setzt Ton und Stimmung des Buches zugleich.

Die Autorin erzählt ihre Geschichte über mehr als fünf Jahrzehnte, von den 60er‑Jahren bis heute, und verwebt dabei sehr fein die Perspektiven der drei Frauen. Liese führt mit stiller, unerbittlicher Kraft die Dorfgemeinschaft und eine Metzgerei, Cora ist voller Wut und Sehnsucht nach einem eigenen Leben, und Eva steckt voller Empathie und Verbundenheit zur Natur, besonders dem Wald. Die Erzählweise ist dicht, poetisch und zugleich zutiefst menschlich, mit einem Gespür für Natur, Nähe und innere Konflikte, das mich beim Lesen immer wieder innehalten ließ.