Eine Ode an die Liebe zur Heimat
Nach den ersten Seiten schon ist man angekommen im fiktiven Örtchen Wittenmoos, „einer Pfütze von einem Dorf“, direkt am Schwarzwald gelegen: „Dieser Wald, den man nicht aus sich herausbekommt, auch wenn man ihn verlässt. Der wurzelt, unter dem Herzen, hinter den Lungen, und man hört ihn deiner Sprache an und sieht ihn mit deinen Augen.“ (S. 6)
Damit ist das Thema gesetzt: Heimat, Zugehörigkeit, Herkunft, Resilienz und Stärke über drei Generationen von Frauen hinweg, die durch ihre roten Haare, ihre hagere Größe und ihre Eigenwilligkeit im Ort als Außenseiterinnen gelten und konsequent ausgegrenzt werden. Zu Beginn um das Jahr 1960 heiratet Liese den Metzgersohn Bernhard, dessen patriarchischem Regiment sie sich bis auf kleine Auszeiten unterordnet. Bernhard wünscht sich einen Sohn, die beiden bekommen aber „nur“ eine Tochter, Cora, die von Liese liebevoll aufgezogen wird, von ihrem Vater jedoch nur Geringschätzung und Gewalt erfährt.
Als Bernhard plötzlich stirbt, betrauern ihn nur seine Eltern. Liese indessen wächst über sich selbst hinaus: Sie übernimmt die Metzgerei und sichert durch harte Arbeit den Lebensunterhalt der kleinen Familie. Die Leute im Dorf kaufen Wurst und Fleisch im Laden, persönliche Anerkennung folgt daraus jedoch nicht. Cora wächst indessen heran, muss sich aber ständig gegen Piesackereien in der Schule behaupten, die sie zum Glück stärken und nicht brechen. Cora zieht es nach dem Schulabschluss in die Welt, raus aus der Enge der Spießigkeit - mit Paris fängt sie an. Doch schon bald tragen die Umstände die junge Frau in die ungeliebte Heimat zurück: Ihre hochfliegenden Träume zerschlagen sich - wie es schon Tausenden anderer Frauen zuvor ergangen ist. Cora muss sich zwar erneut dem harten Urteil der Dorfgemeinschaft stellen, jedoch erwachsen daraus neue Kräfte, die Mutter und Tochter enger zusammenrücken lassen. Gemeinsam stellen sie sich neu auf, während mit Eva eine neue Generation heranwächst, die lange braucht, um ihren ganz eigenen Weg zu finden.
Dieser Familien- und Dorfroman beschreibt viele Facetten menschlichen Zusammenlebens. Der kleine Ort Wittenmoos wirkt stellenweise märchenhaft und wie aus der Zeit gefallen, die Uhren laufen im abgeschotteten Hinterland eben langsamer. Wir lernen zahlreiche Charaktere dieser Schwarzwaldgegend kennen, die mit den Protagonistinnen interagieren. Die Begegnungen und Dialoge zeugen von feiner Beobachtungsgabe und guter Menschenkenntnis. Häffner beschreibt ihre Figuren vielschichtig und zugewandt, sie leuchtet Graubereiche aus und meidet Klischees. Im Zeitablauf treten neben Konflikten auch Freundschaft und Kameradschaft ins Leben der Riessbergerinnen, die sich von Schicksalsschlägen nicht unterkriegen lassen und immer bereit sind, Verantwortung zu tragen. Passivität ist ihnen fremd, Mitmenschlichkeit selbstverständlich und Widerstand kein Hindernis.
Die überwiegend chronologisch erzählte Handlung wird nie eintönig. Stilistisch brilliert die Autorin mit ihrer warmen, poetischen Sprache, die die Gefühle ihrer Figuren greifbar macht. Häffner lässt mit ihrer verdichteten Ausdrucksweise Leerstellen, die den Leser aufhorchen lassen. Immer wieder stechen beeindruckende Formulierungen heraus, deren Weisheit und Tiefe Nachhall erzeugen. Eine besondere Bedeutung kommt dem Schwarzwald als Hintergrundkulisse zu: Mal wirkt er dunkel und bedrohlich, mal schenkt er Energie und Lebenskraft, immer ist er ein Symbol für Heimatliebe und Beständigkeit als willkommener Rückzugsort für Liese, Cora und Eva.
Jede dieser drei Frauen hat eine andere Vorstellung vom Leben. Am Ende kommen sie in der Heimat wieder zusammen. Ihre Wege zu verfolgen mit allen Höhen und Tiefen hat mir viel Freude bereitet. Das Buch enthält die richtige Mischung aus literarischem Anspruch und guter Unterhaltung mit Niveau. In die melancholische Poesie der Sprache mit ihren anschaulichen Bildern und Metaphern habe ich mich regelrecht verliebt.
Ein wunderbares, außerordentlich kraftvolles Debüt zum Eintauchen, das eine große Leserschaft begeistern sollte. Unbedingt lesen!
Damit ist das Thema gesetzt: Heimat, Zugehörigkeit, Herkunft, Resilienz und Stärke über drei Generationen von Frauen hinweg, die durch ihre roten Haare, ihre hagere Größe und ihre Eigenwilligkeit im Ort als Außenseiterinnen gelten und konsequent ausgegrenzt werden. Zu Beginn um das Jahr 1960 heiratet Liese den Metzgersohn Bernhard, dessen patriarchischem Regiment sie sich bis auf kleine Auszeiten unterordnet. Bernhard wünscht sich einen Sohn, die beiden bekommen aber „nur“ eine Tochter, Cora, die von Liese liebevoll aufgezogen wird, von ihrem Vater jedoch nur Geringschätzung und Gewalt erfährt.
Als Bernhard plötzlich stirbt, betrauern ihn nur seine Eltern. Liese indessen wächst über sich selbst hinaus: Sie übernimmt die Metzgerei und sichert durch harte Arbeit den Lebensunterhalt der kleinen Familie. Die Leute im Dorf kaufen Wurst und Fleisch im Laden, persönliche Anerkennung folgt daraus jedoch nicht. Cora wächst indessen heran, muss sich aber ständig gegen Piesackereien in der Schule behaupten, die sie zum Glück stärken und nicht brechen. Cora zieht es nach dem Schulabschluss in die Welt, raus aus der Enge der Spießigkeit - mit Paris fängt sie an. Doch schon bald tragen die Umstände die junge Frau in die ungeliebte Heimat zurück: Ihre hochfliegenden Träume zerschlagen sich - wie es schon Tausenden anderer Frauen zuvor ergangen ist. Cora muss sich zwar erneut dem harten Urteil der Dorfgemeinschaft stellen, jedoch erwachsen daraus neue Kräfte, die Mutter und Tochter enger zusammenrücken lassen. Gemeinsam stellen sie sich neu auf, während mit Eva eine neue Generation heranwächst, die lange braucht, um ihren ganz eigenen Weg zu finden.
Dieser Familien- und Dorfroman beschreibt viele Facetten menschlichen Zusammenlebens. Der kleine Ort Wittenmoos wirkt stellenweise märchenhaft und wie aus der Zeit gefallen, die Uhren laufen im abgeschotteten Hinterland eben langsamer. Wir lernen zahlreiche Charaktere dieser Schwarzwaldgegend kennen, die mit den Protagonistinnen interagieren. Die Begegnungen und Dialoge zeugen von feiner Beobachtungsgabe und guter Menschenkenntnis. Häffner beschreibt ihre Figuren vielschichtig und zugewandt, sie leuchtet Graubereiche aus und meidet Klischees. Im Zeitablauf treten neben Konflikten auch Freundschaft und Kameradschaft ins Leben der Riessbergerinnen, die sich von Schicksalsschlägen nicht unterkriegen lassen und immer bereit sind, Verantwortung zu tragen. Passivität ist ihnen fremd, Mitmenschlichkeit selbstverständlich und Widerstand kein Hindernis.
Die überwiegend chronologisch erzählte Handlung wird nie eintönig. Stilistisch brilliert die Autorin mit ihrer warmen, poetischen Sprache, die die Gefühle ihrer Figuren greifbar macht. Häffner lässt mit ihrer verdichteten Ausdrucksweise Leerstellen, die den Leser aufhorchen lassen. Immer wieder stechen beeindruckende Formulierungen heraus, deren Weisheit und Tiefe Nachhall erzeugen. Eine besondere Bedeutung kommt dem Schwarzwald als Hintergrundkulisse zu: Mal wirkt er dunkel und bedrohlich, mal schenkt er Energie und Lebenskraft, immer ist er ein Symbol für Heimatliebe und Beständigkeit als willkommener Rückzugsort für Liese, Cora und Eva.
Jede dieser drei Frauen hat eine andere Vorstellung vom Leben. Am Ende kommen sie in der Heimat wieder zusammen. Ihre Wege zu verfolgen mit allen Höhen und Tiefen hat mir viel Freude bereitet. Das Buch enthält die richtige Mischung aus literarischem Anspruch und guter Unterhaltung mit Niveau. In die melancholische Poesie der Sprache mit ihren anschaulichen Bildern und Metaphern habe ich mich regelrecht verliebt.
Ein wunderbares, außerordentlich kraftvolles Debüt zum Eintauchen, das eine große Leserschaft begeistern sollte. Unbedingt lesen!