Eine sanfte Wucht

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maluli Avatar

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Dieses Buch habe ich eher durch Zufall in die Hand genommen, weil ich das Cover so schön fand. Ohne viel Erwartung habe ich begonnen zu lesen, denn die ländliche Lebenswelt, die darin beschrieben wird, könnte mir auf den ersten Blick fremder nicht sein.
Nur um dann sehr schnell zu bemerken, dass in jeder Seite so viel Schönes, so viel Wahres steckt, dass es beim Lesen fast schon weh tut. Und zwar genau, weil ich mich doch sehr mit vielen Themen des Buches identifizieren konnte (und im Übrigen glaube, dass dieser Roman wirklich für jeden Menschen Raum zur Identifikation und Selbstreflexion bietet).
Ich habe dieses Buch schnell und langsam gelesen. Schnell, weil es mich eingesaugt hat und nicht mehr ausspucken wollte. Langsam, weil ich mich immer wieder gebremst habe, da ich nicht wollte, dass es endet.
Die Sprache ist so poetisch, dass man andauernd Sätze herausschreiben möchte, um sie immer wieder zu lesen und ja nicht zu vergessen. Dabei schafft es der Roman bei aller Bittersüße niemals ins Kitschige zu verfallen und
für jede der Protagonistinnen eine eigene Bildsprache zu finden. Er erzählt die Geschichte von Eva, ihrer Mutter und ihrer Großmutter, drei Frauen, die das Überstehen von Schicksal im Blut haben und keinen Mann brauchen, um ihren Weg zu gehen. Frauen, die an einem Ort eine Heimat gefunden haben, an den sie eigentlich nicht hinpassen und doch kommen und wollen sie nicht weg.
Die drei Frauen sind alle auf ihre Weise sehr stark und manchmal hart, besonders zu sich selbst. Gleichzeitig sind sie auch unglaublich verletzlich und sanft, auch zu den Frauen der anderen Generation. Man vernimmt beim Lesen keinen Groll, wie er mir beispielsweise oft in Mutter-Tochter-Beziehungen begegnet, sondern viel Verständnis auch für jene Dinge, die nicht so leicht verstanden werden können.
Es ist ein großer Roman über das Loslassen und Festhalten, den ich wirklich mit aller Dringlichkeit weiterempfehle.