Frauen so stark wie der Schwarzwald

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Erdig, dunkel, wild und ursprünglich ragt der Schwarzwald auf hinter Wittenmoos. In stiller Kraft überdauert er die Jahrhunderte, die Bäume tief verwurzelt. Von außen kommen Veränderungen, der Borkenkäfer, die Naturgewalten, die angrenzende Gemeindeplanung. Doch der Wald ist immer da. Rückzugsort, Kraftquell, manchmal auch bedrohliche Kulisse.

Eine tiefe Einsamkeit zieht durch Hannah Häffners Riesinnen. Sie ist nicht unfreundlich, vielmehr wie ein Gast, der nicht mehr verschwindet. Doch vielleicht ist es genau das, was es ausmacht, dem Stamm der Riessbergerinnen anzugehören. Liese wächst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Wittenmoose auf, zwischen Zwängen, Stille, der Last der niederschmetternden Enge. Stark sein ist das einzige, was hilft. Funktionieren, durchhalten. Sich selbst hintenanstellen. Ihre Tochter zieht sie alleine groß.

Ihr Tochter Cora hat Träume, will weg, will mehr. Schwanger kehrt sie heim. Ihrer Tochter Eva steht die Welt offen. Doch sie entscheidet sich für ihre eigene Welt. Im Schwarzwald.

Es ist die Sprache, die diesen Roman so soghaft unwiderstehlich macht. Das Drängende, Dräuende der Bäume, das Ungesagte, das sich in Worten und in den Lücken dazwischen wiederfindet, die Gewissheit, dass manche Dinge keiner Worte bedürfen. Die Widersprüche, das Erwachsensein, die Verletzungen, das Andressein, die Entscheidungen, die Endlichkeit.

Die Riesinnen erzählt von der Suche nach Zugehörigkeit, nach Heimat, die tief verwurzelt in uns ist, im Kopf und in der Welt. Jede Figur erkundet ihre Wahrheit für sich, gegen Widerstände, innerhalb ihrer eigenen Zeit und Realität. Bildreich und dicht entsteht bei Hannah Häffner ein Sprachrhythmus, der den Klang der Geschichte vertieft.

So offenbart sich hinter den Riesinnen eine universelle Erzählung von Träumen, den unerwarteten Abzweigungen des Lebens, seinen Notwendigkeiten und der tiefen Kraft, die in uns, vor allem uns Frauen, wohnt. Der Roman setzt sich fest und begleitet. Ein beeindruckendes Stück Literatur.

Es lohnt sich, dieses Buch langsam zu lesen. Nehmt Euch Zeit für die Sätze und freut Euch auf ein Buch, in dem Ihr verschwinden werdet.