Poetisch, melancholischer Blick auf 3 Generationen Frau
Ich bin immer sehr gespannt, wie sich der Titel für ein Buch ergibt und hier erscheint recht schnell eine Möglichkeit mit der interessant umschriebenen Körpergröße und Metaphern, die sich ergeben. Das Cover ist eher zurückhaltend mit dezenter Farbwahl und einer künstlerischen Note durch den Farn mit dem verdeckten Frauengesicht.
Die Autorin Hannah Häffner hat wirklich sofort ab den ersten Zeilen einen unverkennbaren Schreibstil, den ich in einigen Teilen des Romans vielleicht als melancholisch romantisch beschreiben würde, gerade an der Grenze sogar ein wenig kitschig zu sein. Keines Falls würde ich das als negativ empfinden, denn es hat mich einzigartig in das Geschehen rund um Liese, ihre Tochter Cora und wiederum deren Tochter Eva, die drei Protagonistin des Buchs, eintauchen lassen. Die Poesie, mit der bereit für das Buch geworben wird, ist definitiv ein Highlight, das für sich den ganzen Roman lesenswert machen.
Im ersten Teil des Roman geht es um Liese in den 60er Jahren und obwohl ich die Zeit in der sie lebt, nur aus Geschichten, Büchern oder Erzählungen kenne, wirkt ihr Leben wie ein aufgezeichnetes Klischee, da es so unwirklich übertrieben wirkt und gefühlt wurde es schon tausend mal genau so erzählt. Gleichzeitig weiß man natürlich, dass es damals einfach wirklich so hart gelebte Realität war und das machte mir beim Lesen mein Herz sehr schwer, führte vor Augen wie selbstverständlich wir heutzutage unsere Privilegien ansehen.
In fortgeschrittenen Kapiteln findet ein sehr interessanter und subtiler, dadurch genialer Wechsel von den Erzählsichten statt. Die Geschichte verlagert sich immer mehr zu Cora, indem Liese plötzlich mehr entfremdet wird und nur noch Mutter genannt wird. Leider verliert sich in meinen Augen ein bisschen das Poetische, die Umgebung erhält weniger Beachtung und es hat etwas mehr von einer Erzählung.
Der Teil um Cora, war für mich der, mit dem ich am wenigsten anfangen konnte, der mir keine Sympathien zu ihr aufzeigte (Naivität und Verdrängung dominieren zu stark in ihrem Charakter), recht vorhersehbar war und dem restlichen Roman irgendwie nicht gerecht wurde.
Die unerschütterliche Liebe einer Mutter, die trotzdem zu einem steht, egal wie sehr man sich zuvor entfremdet, werden in vielerlei Kontrasten und Metaphern feinfühlig, schön, und unverhohlener Tiefe thematisiert.
Die Charaktere der drei Frauen find ich sehr vielschichtig aufgebaut, denn sie sind irgendwie alle anders und trotzdem haben sie ihre Gemeinsamkeiten. Eva ist für mich definitiv sympathischer als ihrer Mutter Cora, sie wirkt ein bisschen zufriedener mit dem was sie hat. Was alle Drei z.B. gemeinsam haben ist eine Stärke und ein Mut in Bereiche, die in ihren Zeitepochen noch stark Männer dominiert waren, einzudringen.
Die letzten Kapitel haben es wirklich in sich, zwar kommen die schönen Naturbeschreibungen zurück, aber auch eine tragische Schwere, die ich vorher nicht so spüren konnte. Die Gedanken von Eva befassen sich mit dem Leben und dem Tod, dem Erinnern an Menschen und dem Vergessen, was wohl in mir stark arbeitet und definitiv nach dem Ende des Buchs nachwirkt.
Fazit: Das Buch machte mich sehr melancholisch, demütig und ließ mich auf meine eigene Oma und Mama, sowie ihre Geschichten einen neuen, anderen Blick einnehmen!