Zu unrealistisches Ausgangs-Szenario
Als Lieselotte, Bernhards auffallend große rotblonde Frau, ihre Schwangerschaft wahrnimmt, ist sie alles andere als begeistert. Von ihr wird erwartet, dass sie einen Nachfolger (m) für die Metzgerei zur Welt bringt; ein Kind jedoch wird „Liese“ endgültig an Mann und Schwiegereltern ketten. Als Bernhard, der noch ohne Meisterprüfung angestellt im Familienbetrieb arbeitet, tödlich verunglückt, hinterlässt er Lieselotte allein die gemeinsame Hypothek auf ihrem neu gebauten Haus. Liese, über die nur vage zu erfahren ist, dass sie vor der Ehe „im Krankenhaus“ gearbeitet hat, will unbedingt die Metzgerei im beschaulichen Wittenmoos besitzen, obwohl sie für eine Rolle als Juniorchefin bisher rein gar nichts gelernt hat. Bernhard besprach nichts, von ihm konnte sie nichts lernen. Leider wird Margret auf ihre Rolle als Schwiegermutter reduziert, so dass auch wir als Leser:innen von ihr als Seniorchefin nichts lernen können. Ohne Meisterprüfung darf in Deutschland kein Handwerksbetrieb geführt und kein Nachwuchs ausgebildet werden. Lieselotte müsste mit einem angestellten Metzgermeister zusammenarbeiten, was schwer vorstellbar scheint. Dass sie ohne diesen Kniff dennoch nach kurzer Einführung einen Betrieb mit 11 Angestellten übernimmt und weiter kein Wort über die Übergabe verloren wird, ist als Basis des Drei-Generationen-Romans völlig unrealistisch.
Lielos Tochter Cora, die Anfang der 1960er bereits wütend geboren wird, wächst zu einer ebenfalls großen, mageren und wilden Person heran. Schon früh wird für Cora der nahe Wald Zufluchtsort. Wie auch an den aus zerbombten Städten Zugezogenen und dem schweigsamen Franz arbeitet das Dorf sich an Coras Außenseiterrolle ab. Mit manchen Leuten redet man hier einfach nicht. Zeitlich lassen sich die Ereignisse anhand Whyl-Proteste (ab 1972) einordnen, die Lieselotte damit konfrontieren, wie weltfremd sie bisher gelebt hat. Cora, der aufgrund exzellenter Schulleistungen alle Türen offenstehen würden, will zunächst Europa per Interrail durchstreifen und bringt mit Eva die dritte Generation herausfordernder, rothaariger Töchter zur Welt. Erst Eva wird Wittenmoos als Heimat annehmen können und die richtigen Entscheidungen treffen.
Fazit
Von einem Roman über drei Frauen-Generationen, die in einem Schwarzwald-Dorf mit Ausgrenzung durch die Dorfgemeinschaft konfrontiert sind, hatte ich mir zugleich drei realistische weibliche Berufs-Biografien versprochen. Weder Margret noch Lieselotte bieten das jedoch. Das Ausgangsszenario („Ich will die Metzgerei haben“) finde ich zu unrealistisch und auf Fragen, die sich aus dieser Idee ergeben, bleibt die Autorin die Antworten schuldig. Figuren und Sprache konnten mich daher nur kurzfristig fesseln. Auch dass Eva mit ihrer Rückkehr ins Heimatdorf den Handlungsbogen am Ende schließen wird, konnte mich mit dem Roman nicht mehr versöhnen.
Lielos Tochter Cora, die Anfang der 1960er bereits wütend geboren wird, wächst zu einer ebenfalls großen, mageren und wilden Person heran. Schon früh wird für Cora der nahe Wald Zufluchtsort. Wie auch an den aus zerbombten Städten Zugezogenen und dem schweigsamen Franz arbeitet das Dorf sich an Coras Außenseiterrolle ab. Mit manchen Leuten redet man hier einfach nicht. Zeitlich lassen sich die Ereignisse anhand Whyl-Proteste (ab 1972) einordnen, die Lieselotte damit konfrontieren, wie weltfremd sie bisher gelebt hat. Cora, der aufgrund exzellenter Schulleistungen alle Türen offenstehen würden, will zunächst Europa per Interrail durchstreifen und bringt mit Eva die dritte Generation herausfordernder, rothaariger Töchter zur Welt. Erst Eva wird Wittenmoos als Heimat annehmen können und die richtigen Entscheidungen treffen.
Fazit
Von einem Roman über drei Frauen-Generationen, die in einem Schwarzwald-Dorf mit Ausgrenzung durch die Dorfgemeinschaft konfrontiert sind, hatte ich mir zugleich drei realistische weibliche Berufs-Biografien versprochen. Weder Margret noch Lieselotte bieten das jedoch. Das Ausgangsszenario („Ich will die Metzgerei haben“) finde ich zu unrealistisch und auf Fragen, die sich aus dieser Idee ergeben, bleibt die Autorin die Antworten schuldig. Figuren und Sprache konnten mich daher nur kurzfristig fesseln. Auch dass Eva mit ihrer Rückkehr ins Heimatdorf den Handlungsbogen am Ende schließen wird, konnte mich mit dem Roman nicht mehr versöhnen.